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Die ganze Wahrheit


Die ganze Wahrheit
Gott Schöpfer
· Gott, der
Schöpfer der Welt.
· Moderne
Gottesleugnung
· Der
Darwinismus
· Einige
Beispiele
Schöpfung Gottes
· "Im Anfang
schuf Gott Himmel und Erde." (Gen. 1, 1)
· Was ist
Geist?
· Die Engel
· Die
Erschaffung des Menschen
· Adam und
Eva
· Der
Sündenfall
· Die Folgen
der Sünde
· Die
Verheißung des Erlösers
· Die
Erbsünde
Christus
· Gott ist dreifaltig
· Jesus Christus, wahrer Sohn Gottes
· Sein Opfer für uns
· Am dritten Tag auferstanden...
Kirche
· Kirche - wozu?
· Der Auftrag
· Das Lehramt
· Das Hirtenamt
· Das Priesteramt - die Gewalt des Heiligens
· Die Sakramente
Religionen
· Sind alle Religionen gleich?
· Die eine wahre Religion
· Der Alte und der Neue Bund
Messe
· Die heilige Messe
· Die wahre Gegenwart Christi
· Bestätigende Wunder
· Das Kreuzesopfer unter uns
· Der Priester
· Heilige Kommunion
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· Das Ziel
· Der Weg
· Die Sünde - Abkehr von Gott
· Die schwere Sünde
· Die läßliche Sünde
· Das Heilmittel für die Sünde
Tod
· Tod und Gericht
· Das persönliche Gericht
· Himmel, Hölle, Fegfeuer
Vollendung
· Die Vollendung der Welt
· Die Reinigung der Erde
· Das Jüngste Gericht
· Die endgültige Scheidung
Maria
· Gottesgebärerin
· Jungfrau und Mutter
· Die Unbefleckte Empfängnis
· In den Himmel aufgenommen
· Maria Miterlöserin und Mittlerin aller Gnaden
· Das Unbefleckte Herz Mariens
Gott Schöpfer
Gott, der Schöpfer der
Welt.
"Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde", sagt uns die Genesis, das erste
Buch der Heiligen Schrift. Gott hat die ganze Welt aus nichts
erschaffen. Er ist nicht ein Teil dieser Welt und auch nicht irgendeine
kosmische Kraft, sondern ein persönliches Wesen, das als
Schöpfer der Welt als dem von ihm geschaffenen Werk
gegenüber steht.
Diese Wahrheit, die für die Menschen früherer Zeiten
selbstverständlich war, ist heute für viele
fragwürdig geworden. Dabei braucht man für die
einfache Tatsache, daß es Gott gibt, im Grunde nicht einmal
die Lehre der Bibel, sondern es genügt dafür bereits
der Gebrauch unseres Verstandes. Zwar ist Gott reiner Geist und darum
für uns Menschen, die wir mit unseren Sinnen nur materielle
Dinge wahrnehmen können, unsichtbar, aber von den geschaffenen
Dingen können wir auf die Existenz Gottes
zurückschließen. Denn wie soll man die Tatsache,
daß es eine Welt und lebende Wesen gibt, vernünftig
erklären, wenn nicht mit der Schlußfolgerung,
daß es einen Gott geben muß, der diese Welt
erschaffen hat? So schreibt auch der heilige Paulus: "Was
nämlich unsichtbar ist an ihm (Gott), ist seit der Erschaffung
der Welt an den geschaffenen Dingen mit der Vernunft zu sehen,
nämlich seine ewige Kraft und Gottheit." (Röm. 1, 20)
Moderne Gottesleugnung
"Die Annahme, daß das Auge durch die Evolution
entstanden sei, erscheint, wie ich offen bekenne, im höchsten
Grade als absurd."
Charles Darwin
Zwar glauben heute manche immer noch, daß die
Naturwissenschaft die Welt auch ohne Gott erklären
könne, aber eigentlich müßte einem jeden,
der über diese Frage einmal ehrlich nachgedacht hat, die
Unsinnigkeit einer solchen These vollkommen klar sein. Die
Naturwissenschaften untersuchen ja nur, wie die Welt beschaffen ist,
aber sie können nie sagen, warum sie gerade so und nicht
anders ist oder warum sie überhaupt existiert. Sie setzen
immer voraus, daß es schon Materie und Naturgesetze gibt.
Woher die Materie kommt und warum gerade diese und nicht andere
Naturgesetze gelten, können sie nicht erklären.
Warum bewegt sich das Licht mit einer Geschwindigkeit von 300.000
km/sec und nicht mit 1.000 oder 1.000.000 km/sec? Warum ziehen sich
Massen an? Sie könnten sich doch auch abstoßen oder
gar keinen Einfluß aufeinander ausüben! Dann aber
wäre die Existenz von Sonnensystemen und Galaxien
unmöglich, denn diese beruhen auf dem Naturgesetz,
daß sich Massen anziehen.
Der Darwinismus
"Die Entstehung des Lebens auf der Erde mit dem Zufall
erklären heißt, von der Explosion einer Druckerei
das Zustandekommen eines Lexikons zu erwarten."
Prof. Edwin Couklin, +1952, amerik. Biologe
Noch leichter erkennt man das Dasein Gottes aus der lebendigen Welt.
Viele Wissenschaftler (aber keineswegs alle!) behaupten zwar, man
könne die Entstehung des Lebens durch das Wirken des Zufalls
erklären, doch das ist nur eine Ausrede, um nicht an Gott
glauben zu müssen.
Der Evolutionsvertreter Ilya Prigogine (Vom Sein zum Werden, 1979, S.
95) gibt zu: "Selbst bei den einfachsten Zellen besteht die
Stoffwechselfunktion aus mehreren tausend gekoppelten chemischen
Reaktionen und setzt deshalb für ihre Koordination und
Regelung einen delikaten Mechanismus voraus." Kann man
vernünftigerweise annehmen, daß ein solch
kompliziertes Gebilde durch Zufall entstanden ist, daß
mehrere tausend Zufälle in der Ursuppe glücklich
zusammengetroffen sind? Wenn man auf einer einsamen Insel einen
Fotoapparat fände, würde auch niemand auf die Idee
kommen, daß dieses Gerät durch eine
glückliche Abfolge von Zufällen ganz von allein
entstanden sein könnte. Wieviel komplizierter aber als ein
Fotoapparat ist eine primitive Zelle!
Auch die Theorie, eine Art von Lebewesen habe sich aus einer anderen
durch zufällige Mutationen entwickelt (Evolutionstheorie),
erweist sich bei näherem Hinsehen als barer Unsinn.
Zunächst einmal müßte es dann eine
Fülle von Übergangsformen von einer Art zur anderen
geben. Tatsache aber ist, daß solche Übergangsformen
praktisch völlig fehlen. Sodann ist klar, daß
für die Entwicklung beispielsweise eines neuen Organes
Hunderte und Tausende von Mutationen notwendig wären, die alle
gleichzeitig zusammentreffen müßten, damit das neue
Organ einigermaßen funktionsfähig sein
könnte.
Einige Beispiele
"Wohin und wie weit wir also blicken mögen, zwischen
Religion und Naturwissenschaft finden wir nirgends einen Widerspruch,
wohl aber gerade in den entscheidenden Punkten volle
Übereinstimmung. Religion und Naturwissenschaft
schließen sich nicht aus, wie heutzutage manche glauben und
fürchten, sondern sie ergänzen und bedingen einander.
– Gott steht für den Gläubigen am Anfang,
für den Physiker am Ende allen Denkens."
Max Planck, + 1947
Wie sollte sich zum Beispiel die Linse unseres Auges entwickelt haben?
Es genügte ja nicht, daß zunächst irgendein
linsenartiger Körper im Auge herumschwamm, sondern dieser
Körper mußte von Anfang an die Form und die
Eigenschaften einer Linse haben, um einen Vorteil und nicht ein
Sehhindernis zu bilden. Dann mußte diese Linse am richtigen
Ort im Auge verankert sein. In unserem Auge gibt es sogar Muskeln , die
je nach Blickweite die Form der Linse verändern. Was
nützte nun aber das vollkommene Bild, das die Linse auf die
Augenrückwand wirft, wenn es dort nicht eine Netzhaut
gäbe, die das Bild aufnehmen und dem Gehirn weitermelden
könnte, und was nützte die Netzhaut, wenn es nicht
entsprechende Partien im Gehirn gäbe, die die von der Netzhaut
kommenden Informationen auswerten könnten! Linse, Netzhaut und
die entsprechenden Hirnpartien hätten sich also
zufällig gleichzeitig entwickeln müssen, um einen
Selektionsvorteil zu bieten.
Oder denken wir an die erstaunlichen Metamorphosen, die es im Tierreich
gibt: Ein Schmetterling hat keinerlei Ähnlichkeit mit der
Raupe, die er einmal gewesen ist. Wieviele Informationen
müssen wohl im Erbgut der Raupe enthalten sein, damit sie sich
zu einem Schmetterling entwickeln kann? Und alle diese Informationen
müßten zufällig gleichzeitig im Erbgut
entstanden sein, denn es ist offensichtlich, daß ein Tier,
das halb Raupe und halb Schmetterling wäre, nicht
lebensfähig und vor allem nicht fortpflanzungsfähig
wäre.
Aber nicht nur solch komplizierte Entwicklungen, sondern auch viel
einfachere Tatsachen kann die Evolutionstheorie nicht
erklären. Betrachten wir zum Beispiel den Vogel
Strauß. Er kommt praktischerweise mit Schwielen auf dem
Steiß, der Brust und dem Schambein auf die Welt, d.h. an
genau den Stellen, die später auf dem Boden aufliegen, wenn er
sitzt. Man könnte nun meinen, der Strauß habe diese
Schwielen im Lauf der Evolution entwickelt, so wie die Hand eines
Menschen durch harte Arbeit schwielig wird. Das aber ist nicht
möglich, denn Schwielen, die man sich durch Arbeit erworben
hat, werden nicht vererbt. Wenn in einer Familie jahrhundertelang alle
hart gearbeitet haben und Schwielen an den Händen hatten, so
werden die Kinder doch immer noch ohne Schwielen geboren werden. Die
Evolutionisten verlangen daher allen Ernstes, daß durch
Zufall Gene entstanden, die zufällig genau an den richtigen
Stellen und an keinen anderen Schwielen produzieren. Das verlangt viel
Glaube!
An diesen und an unzähligen anderen Beispielen, die
aufzuführen hier nicht der Raum ist, kann man sehen,
daß mit ein oder zwei Mutationen noch gar nichts geschehen
ist. Auf diese Weise kann man kleine Veränderungen und
Anpassungen innerhalb derselben Art erklären, keineswegs aber
die Entstehung neuer Arten oder neuer Organe.
Es ist ein Zeichen von tiefer Verblendung, daß ausgerechnet
heute, wo wir die Wunder in der Natur viel besser kennen als
frühere Zeiten, viele Menschen glauben, dies alles ohne Gott
erklären zu können.
Man kann durchaus annehmen, daß es eine Entwicklung des
Lebens auf der Erde gegeben hat. Aber dann war die Ursache dieser
Entwicklung nicht der Zufall, sondern Gott, der Schöpfer allen
Seins und Lebens.
Schöpfung Gottes
"Im Anfang schuf Gott Himmel
und Erde." (Gen. 1, 1)
"Im Anfang": Das bedeutet, es gab vorher nichts außer Gott,
der von Ewigkeit her, ungeschaffen, ohne Anfang und ohne Ende
existiert. Dann aber schuf Gott "Himmel und Erde", und seitdem gibt es
noch etwas außer Gott: die Schöpfung. Seitdem gibt
es Gott und die Schöpfung. Die Schöpfung
umfaßt also alles, was es außer Gott, dem
Schöpfer, gibt, die ganze geschaffene Welt. Im Lateinischen
trägt sie daher den Namen "Universum", auf Deutsch "Weltall".
Wenn wir heute das Wort "Weltall" hören, denken wir sofort an
den Weltraum, an Monde, Planeten, Sterne, Galaxien, an UFOs und
"Starwars". Doch diese Vorstellung ist sehr einseitig und
beschränkt. Die alten Griechen hatten noch eine weitaus
erhabenere und umfassendere Vorstellung. Sie nannten das Weltall
"Kosmos", was soviel bedeutet wie "Schmuck" oder "Ordnung", und sahen
es entsprechend als ein wohlgeordnetes Ganzes, als einen hierarchisch
gegliederten Bau, als eine Stufenleiter von niedrigeren zu immer
höheren Wesen, von der reinen Materie bis zum reinen Geist.
Waren die Vorstellungen der alten Griechen auch noch von mancherlei
Irrtümern durchsetzt, so kamen sie der Wahrheit doch
sicherlich bedeutend näher als unsere einseitige moderne
Vorstellung. Denn tatsächlich schuf Gott "Himmel und Erde",
was deutlich eine geordnete Stufenfolge, eine Hierachie von oben
("Himmel") nach unten ("Erde") ausdrückt.
Und wirklich: Wenn wir nach unten blicken, so erkennen wir,
daß es niedrigere Geschöpfe gibt als den Menschen.
Da gibt es die reine Materie (z.B. Steine, aber auch Sterne, Planeten
und Galaxien), dann gibt es die Lebewesen, die neben der Materie schon
ein eigenes Lebensprinzip, eine Seele, haben, die Planzen
zunächst und dann die Tiere. Und auch diese sind wieder
reichlich abgestuft, vom primitiven Einzeller über Fische und
Reptilien bis zum hochentwickelten Säugetier, dessen
höchste Vertreter nicht nur ein menschenähnliches
Aussehen haben, sondern auch noch ein menschenähnliches
Verhalten an den Tag legen.
Über all dem aber steht der Mensch. Auch der Mensch besteht
aus Materie, auch der Mensch hat eine Seele, ein Lebensprinzip, das
über die Fähigkeiten der Pflanze (Wachstum, Nahrung,
Fortpflanzung) und die der Tiere (z.B. Sehen, Hören,
Fühlen) verfügt. Aber der Mensch kann noch mehr: er
kann geistig erkennen und wollen. Und das kann auch das
höchstentwickelte Tier nicht, weil es das nicht besitzt, was
der Mensch besitzt: Geist. Der Mensch hat im Gegensatz zum Tier nicht
nur eine Tierseele, sondern eine Geistseele. Er ist nicht nur ein
Lebewesen, sonder ein geistiges Lebewesen, ein "animal rationale".
Was ist Geist?
Geist ist kurz gesagt all das, was es außer der Materie noch
gibt, was weder selbst Materie (oder Energie) ist noch der Materie
(oder Energie) bedarf, um zu sein oder zu handeln. Daß es
geistige Realitäten gibt, können wir uns leicht
klarmachen,wenn wir nur denken an Begriffe wie "Friede" oder "Liebe",
die ja nichts Körperliches meinen, nichts, worauf man zeigen
oder was man experimentell nachweisen kann; dennoch bezeichnen sie
etwas Wirkliches, etwas Geistiges eben. Auch die Mathematik hat es mit
geistigen Gegenständen zu tun. Zahlen sind nicht greifbar oder
sichtbar, aber doch real.
Ebenso in der Kunst: Zwar sind die Kunstwerke selbst greifbar,
hörbar, sichtbar; doch was ihren eigentlichen Wert ausmacht,
was aus Farben, Klängen, Marmor oder was immer Kunst macht,
ihre ästhetische Form nämlich, das ist rein geistig
und nur geistig erkennbar. Darum können Tiere mit einer
Beethoven-Symphonie so wenig anfangen wie mit der Mathematik oder einem
Begriff wie "Frieden". Nur der Mensch kann diese Dinge verstehen, weil
er ein geistiges Geschöpf ist.
Die Engel
Ist der Mensch also das höchste der Geschöpfe, oder
gibt es noch höhere Geschöpfe über ihm? -
"Gott ist Geist" (Joh. 4, 24), der Mensch aber besteht aus Geist und
Materie. Er ist zwar ein Geistwesen, jedoch ein eher unvollkommenes,
weil er an die Bedingungen der Materie gebunden ist.
Wir können also annehmen, daß Gott es nicht bei dem
unvollkommenen Geistwesen Mensch belassen hat, sondern auch noch
Geistwesen höherer Ordnung geschaffen hat. So wie er zwischen
dem Menschen und der reinen Materie eine ganze Stufenleiter von
Lebewesen geschaffen hat, so hat er zwischen sich, dem ungeschaffenen
reinen Geist, und dem Menschen, dem geschaffenen Geistwesen niedrigster
Ordnung, eine ganze Stufenleiter weiterer Geistwesen geschaffen,
Geistwesen ohne Materie, geschaffene reine Geister: die Engel.
Daß es diese reinen Geister, die Engel, gibt,
bestätigt uns die Heilige Schrift an zahllosen Stellen. Ein
Engel hindert etwa Abraham an der Opferung seines Sohnes Isaak (Gen.
22, 9.19), ein Engel erscheint dem König David (2 Kg. 24, 17),
der Engel Raphael begegnet uns als Reisebegleiter des Tobias (Tob).
Auch im Neuen Testament treten die Engel häufig auf. Der Engel
Gabriel verkündet der Jungfrau Maria, daß sie den
Erlöser gebären soll (Lk. 1, 26 ff), Engel kommen und
dienen dem Herrn in der Wüste (Mt. 4, 11), zwei Engel
erscheinen den Frauen am Grab des Auferstandenen. (Joh. 20, 12)
Christus selbst spricht mehrfach von den Engeln: "Denn wenn sie
auferstehen von den Toten, werden sie weder heiraten noch verheiratet
werden, sondern sie sind wie die Engel im Himmel." (Mk. 12, 25) - "Seht
zu, daß ihr keines von diesen Kleinen verachtet; denn ich
sage euch: Ihre Engel im Himmel schauen immerfort das Angesicht meines
Vaters, der im Himmel ist." (Mt. 18, 10)
Die Heilige Schrift bestätigt damit nicht nur die Existenz der
Engel, sondern auch die innige Beziehung, die zwischen den Engeln und
den Menschen besteht. Engel und Menschen leben nicht in zwei
verschiedenen Welten, sondern in einem einzigen Universum, das Geist
und Materie umfaßt: "Himmel und Erde."
Die Erschaffung des Menschen
"Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde." (Gen. 1, 1)
Der Mensch besteht aus Geist und Materie. Darum wird er die "Krone der
Schöpfung" genannt, obwohl er noch Geschöpfe
über sich hat, denn er ist ein "Mikrokosmos", ein Weltall im
Kleinen; in ihm vereinen sich "Himmel und Erde".
Das ganze Weltall aber ist nichts als ein Abbild Gottes, in dem dieser
seine unendliche, höchste Vollkommenheit in vielen endlichen,
niedrigeren und höheren Vollkommenheiten offenbart. Daher ist
auch der Mensch, dieses "Weltall im Kleinen", ein Abbild Gottes, das
dessen unendliche Vollkommenheit offenbart.
Doch war es Gott nicht genug, den Menschen nur nach seinem Bild zu
schaffen. Denn Gottes Vollkommenheit übersteigt auch das
vollkommenste Abbild immer noch unendlich, weil er eben der
ungeschaffene Gott ist und jedes Geschöpf immer nur
Geschöpf bleibt. Gott wollte aber, daß der Mensch,
die "Krone der Schöpfung", auch "nach seiner
Ähnlichkeit" sei, d.h. daß er so gut wie
für ein Geschöpf überhaupt möglich
an der göttlichen Natur selbst teilhabe.
"Gott ist Geist" (Joh. 4, 24), und zum Geist gehört es, zu
erkennen und zu wollen, d.h. zu lieben. Gott erkennt sich selbst
vollkommen von Ewigkeit her, und er liebt sich selbst vollkommen von
Ewigkeit her. Das ist das innergöttliche Leben der heiligsten
Dreifaltigkeit. Und an diesem Leben wollte Gott dem Menschen Anteil
geben: er sollte Gott schauen, wie er ist, und ihn vollkommen liebend
ganz besitzen. Und darin besteht die Gottähnlichkeit nach 1
Joh. 3, 2: "Wir werden ihm ähnlich sein, denn wir werden ihn
schauen, wie er ist. "
Nun kann der Mensch zwar, weil er ein Geistwesen ist und daher Verstand
und Willen hat, grundsätzlich Gott erkennen und lieben. Doch
weil er nur ein endliches Geschöpf ist, kann er von Natur aus
den unendlichen Gott nur sehr schwach und unvollkommen erkennen und
lieben. Darum mußte Gott den Menschen über seine
Natur, ja über jede geschaffene Natur hinaus, zur
Übernatur erheben. Dazu ist es aber nötig,
daß Gott dem Menschen eine besondere,
übernatürliche Ausstattung verleiht, die das
ermöglicht.
Diese übernatürliche Ausstattung nennen wir die
"heiligmachende Gnade". "Gnade" heißt sie deshalb, weil sie
dem Menschen von Gott aus reiner Güte geschenkt wird, nur weil
Gott es so will, ohne irgendwelchen Anspruch von seiten des Menschen.
"Heiligmachend" heißt sie, weil sie den Menschen
tatsächlich heilig macht. Denn sie macht ihn "der
göttlichen Natur teilhaftig" (2 Petr. 1, 4), und die
göttliche Natur ist nichts anderes als Heiligkeit.
Jedoch muß der Mensch, weil er nicht Gott ist, sich die
vollkommene Schau und den vollkommenen liebenden Besitz Gottes, d.i.
die ewige Glückseligkeit, erst noch verdienen. Auch dazu
braucht er bereits die heiligmachende Gnade, denn da das Ziel der
ewigen Glückseligkeit übernatürlich ist,
müssen es auch die Mittel sein, die dorthin führen.
Die heiligmachende Gnade wird darum auch zunächst "Same der
ewigen Glückseligkeit" genannt, denn mit ihr kann sich der
Mensch die ewige Schau Gottes verdienen.
Adam und Eva
"Und Gott erschuf den Menschen nach seinem Bilde; nach dem
Bilde Gottes erschuf er ihn, als Mann und Frau erschuf er sie." (Gen.
1, 27)
Gott wollte, daß die Menschen alle durch das innigste Band
der Liebe und der Verwandtschaft verbunden seien. Darum schuf er am
Anfang nur zwei Menschen: Mann und Frau, Adam und Eva. Beiden gab er
die gleiche menschliche Natur; darum heißt es: "Nach dem
Bilde Gottes erschuf er ihn." Im Leib aber schuf er sie verschieden,
als Mann und als Frau; darum heißt es: "Als Mann und Frau
erschuf er sie."
Gott schuf Mann und Frau verschieden und doch ganz aufeinander bezogen,
weil er wollte, daß sie sich in der Ehe auf das innigste
vereinen und daß aus dieser Vereinigung das ganze
Menschengeschlecht hervorgehe. So waren Adam und Eva ausersehen, die
Stammeltern der ganzen Menschheit zu werden. Gott schuf sie darum nicht
nur vollkommen an Leib und Seele, er verlieh ihnen auch die
heiligmachende Gnade, stattete sie um der heiligmachenden Gnade willen
mit einigen besonderen Gaben aus (z.B. der Leidensunfähigkeit
und der Unsterblichkeit) und gab ihnen einen von ihm selbst angelegten,
wundervollen Garten als Wohnort: das Paradies.
Doch damit Adam und Eva über all diesem Glück nicht
vergaßen, daß sie noch zu einem viel
höheren Glück berufen waren, nämlich zur
Teilnahme am göttlichen Leben selbst, die sie sich im Paradies
nur verdienen sollten, darum gab er ihnen ein besonderes Gebot: Er
verbot ihnen, von einem bestimmten Baum im Garten zu essen.
Dieses Gebot war für Adam und Eva leicht zu erfüllen,
denn dank ihrer besonderen Gnaden war bei ihnen die Vernunft vollkommen
Herr über alle anderen Regungen. Es gab keine ungeordnete Lust
in ihnen, wie sie sich bei uns oft zeigt. Auch hatten sie alles, was
sie brauchten, im Überfluß. Das Verbot war nur dazu
da, sie zu erinnern, daß sie nicht für ein ewiges
Glück auf der Erde bestimmt waren, sondern für ein
höheres Ziel.
Der Sündenfall
"Die Schlange aber war listiger als alle Tiere der Erde, die
Gott der Herr gemacht hatte." (Gen. 3, 1)
Die Tatsache, daß die Schlange "listiger" war als alle Tiere
der Erde, weist darauf hin, daß´hinter ihr mehr
steckt als ein bloßes Tier: ein geistiges Geschöpf.
Und welches geistige Geschöpf sich hinter der Schlange
verbirgt, erfahren wir in der Offenbarung des hl. Johannes: "Und jener
große Drache ward hiabgeworfen, die alte Schlange, welcher
Teufel genannt wird und Satan, welcher die ganze Welt
verführt; er ward hinabgeworfen auf die Erde, und seine Engel
wurden mit ihm hinabgeworfen." (Off. 12, 9)
Die "Schlange" ist also der Teufel, und da dieser aus dem Himmel
"hinabgeworfen" wird und mit ihm "seine Engel", kann das nur bedeuten,
daß es sich beim Teufel von der Natur her um einen Engel
handelt. Jesus Christus sagt von ihm, daß er "in der Wahrheit
nicht standhielt" (Joh. 8, 44) und daher in das "ewige Feuer" kam, "das
dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist." (Mt. 25, 41)
Dies alles läßt darauf schließen,
daß Gott auch die Engel zur Teilnahme an seiner
göttlichen Natur bestimmt hatte. Ebenso wie die Menschen
mußten auch sie sich diese Seligkeit erst noch verdienen, nur
geschah das bei ihnen ihrer Natur gemäß mit einer
einzigen Tat, in einem einzigen Augenblick. Denn da die Engel nicht an
die Bedingungen der Materie gebunden sind, erkennen sie sofort, ohne
langes Nachdenken, klar und ohne Irrtum, und treffen daher auch ihre
Willensentscheidungen sofort, eindeutig und unwiderruflich.
Eine solche Willensentscheidung aber wurde von ihnen verlangt, ob sie
sich nämlich von Gott in die ewige Glückseligkeit
erheben lassen wollten oder nicht. Die Engel, die sich erheben
ließen, gelangten sofort und für immer in die ewige
Herrlichkeit Gottes. Das sind die guten Engel. Die Engel, die sich
nicht erheben lassen wollten, wurden sofort und für immer von
Gottes Angesicht hinweg in die ewige Verdammnis
hinabgestoßen. Das sind die bösen Engel, die
Dämonen, mit ihrem obersten Engel, Luzifer, Teufel oder Satan
genannt.
Da im Himmel nun alles für sie entschieden war, wandten sich
die Dämonen dem Tätigkeitsfeld zu, das ihnen noch
blieb. Denn trotz ihres Sturzes behielten sie ihre Engelsnatur und ihre
natürlichen Fähigkeiten unverändert. Darum
widmeten sie sich nun ganz der Erde und deren Bewohnern, den Geistwesen
niedrigster Ordnung: den Menschen. "Wehe aber der Erde und dem Meer;
denn hinabgestiegen ist zu euch der Teufel voll grimmigen Zornes; er
weiß, daß er eine kurze Frist hat. " (Off. 12, 12)
Es ist die Natur der Engel als Geistwesen höherer Ordnung, die
Geistwesen niedrigerer Ordnung zu leiten. Daher leiten die guten Engel
die Menschen durch gute Einsprechungen und Anregungen, um sie zu Gott,
dem Ursprung und Ziel der Schöpfung, hinzuführen. Die
bösen Engel dagegen leiten die Menschen, die sich ihnen
überlassen, durch Lüge und Verführung, um
sie von Gott abzuwenden und in die eigene Knechtschaft zu bringen. Das
entspricht ihrem verhärteten Willen, der seit ihrer
unwiderruflichen Entscheidung in der Abkehr von Gott und der stolzen
Selbstsucht festliegt. Darum charakterisiert auch die Hl. Schrift den
Teufel als den, "welcher die ganze Welt verführt". Die
Verführung ist gewissermaßen sein Amt; er kann nicht
anders.
Daher machte sich der Teufel auch sehr bald an das erste Menschenpaar
im Paradies heran, um sie zu verführen. Und Gott
ließ diese Versuchung zu, weil Adam und Eva durch die
heiligmachende Gnade und ihre besonderen Gaben stark genug waren, ihr
ohne jede Schwierigkeit zu widerstehen.
Doch Adam und Eva widerstanden nicht, und so pflanzte sich die
Sünde der Engel in ihnen fort. Stolz wandten sie sich ab von
Gott und wollten selbst sein wie Gott, "Gutes und Böses
erkennend" (Gen. 3, 5). Nicht mehr Gott sollte über sie
bestimmen, sie selbst wollten nun bestimmen, was gut und böse
sei. Darum aßen sie vom Baum, von dem ihnen Gott verboten
hatte zu essen.
Die Folgen der Sünde
"Da wurden beider Augen aufgetan; und da sie erkannten,
daß sie nackt seien, flochten sie Feigenblätter
zusammen und machten sich Schürzen." (Gen. 3, 6)
Durch ihre Tat trennten sich Adam und Eva von Gott. Die Folge war,
daß sie sofort die heiligmachende Gnade verloren, denn diese
läßt die Menschen am Leben Gottes teilnehmen und
kann daher in der Trennung von Gott nicht bestehen bleiben. Mit der
heiligmachenden Gnade verloren sie aber auch alle besonderen Gaben, die
ihnen um der Gnade willen verliehen worden waren.
Bisher waren durch die besondere Gabe der Integrität ihre
Leidenschaften völlig der Vernunft unterworfen gewesen. "Sie
waren aber beide nackt, Adam und sein Weib; und sie schämten
sich nicht." (Gen. 2, 25) Jetzt aber werden ihre "Augen aufgetan", d.h.
die Leidenschaften regen sich gegen die Vernunft, und sie "erkannten,
daß sie nackt seien."
Ihre Liebe zu Gott ist erstorben, an ihre Stelle treten Angst und
Furcht. Als sie die Stimme Gottes hören, "verbargen sich Adam
und sein Weib vor dem Angesichte Gottes, des Herrn, inmitten der
Bäume des Paradieses." (Gen. 3, 8) Sie haben das Band der
Liebe und Freundschaft zerrissen und Gott schwer beleidigt. Zurecht
fürchten sie nun seine strafende Gerechtigkeit.
Und Gott verkündet ihnen ihre Strafe. Sie haben nicht nur die
Gabe der Leidensunfähigkeit und Unsterblichkeit verloren, sie
müssen noch zusätzlich Mühen und Schmerzen
auf sich nehmen, sie werden leiden, sterben und verwesen. "Im
Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen, bis du
zur Erde wiederkehrst, von der du genommen bist; denn du bist Staub und
sollst zum Staube zurückkehren." (Gen. 3, 18)
Daher können sie auch nicht länger im Paradies
bleiben, wo das Leben wonnevoll und ohne Mühe war. "Da verwies
ihn Gott der Herr aus dem Paradiese der Wonne, daß er die
Erde bebaue, von der er genom -men worden." (Gen. 3, 23)
So verloren Adam und Eva durch ihre Tat die heiligmachende Gnade und
ihre besonderen Gaben, sie erhielten besondere Mühen und
Beschwerden als Strafe und wurden aus dem Paradies vertrieben. Und zu
alledem wurde auch noch ihre Natur verwundet. Denn da ihr
Verhältnis zu Gott in Unordnung geraten ist, ist auch ihr
Inneres in Unordnung geraten. Daher neigt ihr Verstand nun zum Irrtum,
ihr Wille zum Bösen, ihre sittliche Kraft ist
geschwächt, die Begierlichkeit dagegen regt sich
verstärkt.
Die Verheißung des
Erlösers
"Und Gott, der Herr, sprach zur Schlange: Weil du dies getan
hast, so bist du verflucht unter allem Vieh und unter den Tieren des
Feldes: auf deinem Bauche sollst du kriechen und Erde fressen dein
Leben lang. Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und
zwischen deiner Nachkommenschaft und ihrer Nachkommenschaft; sie wird
dir den Kopf zertreten, und du wirst ihrer Ferse nachstellen." (Gen. 3,
14)
Der Fluch, den Gott hier gegen die Schlange schleudert, gilt dem
Teufel, dessen ewige Peinen seiner Untat wegen noch verschärft
werden. Doch während Gott den Teufel, dessen Willen im
Bösen unveränderlich festliegt, gnadenlos verflucht,
gibt er den Menschen, die gesündigt haben, eine neue Hoffnung.
Denn da die Entscheidungen der Menschen im Gegensatz zu denen der Engel
nicht unwiderruflich sind, gibt es für Adam und Eva die
Möglichkeit der Umkehr.
Daher verheißt Gott den Stammeltern, noch bevor er ihnen ihre
Strafe verkündet, einen Erlöser: die Nachkommenschaft
des Weibes, die der Schlange den Kopf zertreten wird. Gott verdammt
also die Menschen nicht sogleich wegen ihrer Sünde. In seiner
Barmherzigkeit stellt er ihnen die Erlösung in Aussicht und
gibt ihnen Zeit zu Reue und Umkehr.
Die Strafen, die er danach über sie verhängt, sind
daher auch nicht so sehr Vergeltungsstrafen als vielmehr
Besserungsstrafen. Sie sollen die Menschen zu Gott
zurückführen, indem sie ihnen ständig ihr
Elend vor Augen stellen und ihnen so zeigen, wie nötig sie
Gott brauchen. Und weil die Menschen selbst ihre Schuld nicht wieder
gutmachen können, verspricht Gott einen Erlöser, der
den Teufel besiegen wird. Durch den Glauben und die Hoffnung auf ihn
sollen die Menschen gerettet werden.
Die Erbsünde
"Und Adam gab seinem Weibe den Namen Eva; deshalb, weil sie
die Mutter aller Lebendigen war." (Gen. 3, 20)
Nach dem Willen Gotts sollten Adam und Eva die Stammeltern des ganzen
Menschengeschlechtes sein. Darum segnet er sie und gibt ihnen den
Auftrag: "Seid fruchtbar und mehret euch, und erfüllet die
Erde." (Gen. 1, 28)
Mit der menschlichen Natur zusammen sollte von ihnen aus auch die
heiligmachende Gnade und die sie begleitenden
übernatürlichen Gaben an ihre Nachkommen
übergehen. So wären alle Menschen vollkommen an Leib
und Seele, im Stand der heiligmachenden Gnade, leidensunfähig,
unsterblich und in völliger innerer und
äußerer Harmonie zur Welt gekommen, um nach einem
erfüllten, glücklichen Erdenleben direkt in die
Anschauung Gottes, den Himmel, einzugehen.
Durch die Sünde unserer Stammeltern änderte sich das
gründlich. Sie verloren alle diese Gaben, die ihnen als
Häuptern des ganzen Menschengeschlechtes anvertraut worden
waren, und konnten sie daher nicht an ihre Nachkommen weitergeben.
Das Erbe, das sie stattdessen weitergaben, sah folgendermaßen
aus: Trennung von Gott, eine geschwächte und verwundete Natur,
Leiden, Krankheit, Mühe und Tod, ohne Aussicht auf den Himmel.
Dieses Erbe unserer Stammeltern ist bekannt unter dem Namen
"Erbsünde"; denn mit "Sünde" bezeichnen wir den
Zustand der Trennung von Gott, wovon alles andere die traurigen Folgen
sind.
In dieser elenden Verfassung kommen seither alle Menschen zur Welt,
weil alle Menschen Kinder Adams und Evas, der "Mutter aller
Lebendigen", sind. Das wäre freilich ein Grund zum
Verzweifeln, hätte Gott in seiner Barmherzigkeit nicht
sogleich die Erlösung versprochen und sie dann auch
tatsächlich gewirkt, so daß alle Menschen dennoch
gerettet werden können.
Christus
Gott ist dreifaltig
Wenn wir das Geheimnis der Menschwerdung Gottes tiefer
ergründen wollen, müssen wir uns zunächst
vergegenwärtigen, daß Gott zwar nur ein Gott, aber
ein Gott in drei Personen ist. Das ist das Geheimnis der Dreifaltigkeit
Gottes. Wir können uns die Dreifaltigkeit nicht vorstellen,
weil in unserer Erfahrung eine Person immer nur ein Wesen besitzt, z.B.
hat eine menschliche Person auch immer nur eine menschliche Natur. Das
unendliche göttliche Wesen aber kann von drei Personen
gleichzeitig besessen werden, vom Vater, vom Sohn und vom Heiligen
Geist.
So können wir auch verstehen, daß Gott die Liebe
ist, wie es der heilige Johannes in seinem Brief schreibt (1 Joh. 4,
8), denn Gott ist nicht allein, sondern die drei göttlichen
Personen leben von Ewigkeit zu Ewigkeit in unaussprechlicher Liebe
einander zugewandt.
Jesus Christus, wahrer Sohn Gottes
Um uns zu erlösen, nahm nun die zweite göttliche
Person, der Sohn Gottes, eine menschliche Natur von der Jungfrau Maria
an und wurde somit ein Mensch wie wir, ohne aber aufzuhören
Gott zu sein. Daher ist Jesus Christus wahrer Gott und wahrer Mensch.
Er ist nicht ein Halbgott, wie man solche in manchen Religionen findet,
sondern ganz Mensch und ganz Gott.
Weil er Gott ist, kann er aus eigener Vollmacht Wunder wirken, wie es
die Evangelien berichten. Weil er Gott ist, kann er auch sagen: "Der
Vater und ich sind eins" (Joh. 10, 30), und kann der Apostel Thomas vor
ihm niederfallen und und ausrufen: "Mein Herr und mein Gott!" (Joh. 20,
28)
Die Juden hatten gut verstanden, mit welch ungeheurem Anspruch Christus
auftrat, denn sie warfen ihm vor: "Du, der du ein Mensch bist, machst
dich selbst zu Gott", und wollten ihn deswegen steinigen ( Joh. 10,
33). Dies war auch der Grund, warum sie ihn schließlich zum
Kreuzestod verurteilten, denn nachdem der Hohepriester Christus gefragt
hat, ob er der Sohn Gottes sei und von ihm die Antwort erhalten hatte:
"Ich bin es", zerriß er seine Kleider und rief aus: "Ihr habt
die Lästerung gehört." Daraufhin ließ er
Jesus zum Tode verurteilen (vgl. Mk. 14, 61 ff., Mt. 26, 63 ff.). Wenn
Christus nur gemeint hätte, er sei Sohn Gottes, wie wir alle
Kinder Gottes sind, hätte man dies wohl kaum als
Gotteslästerung auslegen können.
Sein Opfer für uns
Weil Christus aber nicht nur Gott, sondern auch Mensch ist, konnte er
für uns leiden. Er wollte durch sein Kreuzesopfer dem
himmlischen Vater Genugtuung leisten für die
unzähligen Sünden, mit denen die Menschheit sich
befleckt und Gott beleidigt hatte.
Ist nun Gott ein rachsüchtiger Gott, der unbedingt Genugtuung
für die Sünde fordert? Hätte Gott nicht auch
ohne Wiedergutmachung, aus reiner Barmherzigkeit den Menschen ihre
Sünden verzeihen können? - Ohne Zweifel
hätte er das tun können. Es gab für Gott
viele Möglichkeiten uns zu erlösen, aber er
wählte diesen Weg, weil er so seine Liebe zu uns am besten
offenbaren konnte. "Gott hat seines eingeborenen Sohnes nicht geschont,
sondern ihn für uns alle dahingegeben", sagt der hl. Paulus
(Röm. 8, 31), und Christus selbst spricht: "Eine
größere Liebe hat niemand, als der sein Leben
hingibt für seine Freunde" (Joh. 15, 13). Kein Mensch
hätte dies hoffen dürfen, daß Gott ihn so
liebt. Wir alle haben einen Freund, der für uns gestorben ist.
"Er hat mich geliebt, er hat sich hingegeben für mich", ruft
darum Paulus beglückt aus (Gal. 2, 20) und so jubeln mit ihm
alle Christen.
Am dritten Tag auferstanden...
Den letzten und größten Beweis für die
Wahrheit seiner Lehre und seiner Sendung hat Christus
schließlich seinen Jüngern und uns allen in seiner
Auferstehung von den Toten gegeben. Was ist nun von den Theorien zu
halten, die sagen, Christus sei nicht wirklich, sondern nur im Glauben
der Jünger auferstanden, oder die Apostel hätten gar
den Leichnam Jesu gestohlen und die Auferstehung als Lüge
verbreitet?
Betrachten wir dazu zunächst einmal die Situation am
Karfreitag. Christus war, von seinen eigenen Jüngern
verlassen, gestorben. Einer seiner engsten Vertrauten (Judas) war sein
Verräter gewesen. Menschlich gesprochen war damit alles aus
und vorbei. Dementsprechend reagierten auch die Jünger: Sie
gingen nach Hause (Emmausjünger, Lk. 24, 13ff) oder
versteckten sich ängstlich vor den Juden. Aus den Evangelien
können wir die tiefe Hoffnungs- und Ratlosigkeit der Apostel
und Jünger erspüren, die sie nach der Gefangennahme
und Kreuzigung Jesu befallen hatte. Wie war es nun möglich,
daß sie auf einmal wieder Mut fanden und überall
Christus predigten, trotz aller Drohungen und Mißhandlungen
von seiten des jüdischen Hohenrates? Das Evangelium sagt es
unzweideutig: "Christus ist auferstanden!" Die Apostel nennen sich
geradezu "Zeugen seiner Auferstehung" (Apg. 1, 22). "Ist Christus nicht
auferweckt worden", schreibt Paulus an die Korinther, "dann ist unsere
Predigt vergeblich, vergeblich euer Glaube. Dann werden wir sogar als
falsche Zeugen Gottes befunden; denn wir hätten gegen Gott
bezeugt, daß er Christus auferweckt habe, den er ja gar nicht
auferweckt hat, wenn angeblich die Toten nicht auferweckt werden." (1
Kor. 15, 14-15)
Was nun die These von einem angeblichen Betrug der Jünger
angeht, so weist Paulus in dem gerade angeführten Brief darauf
hin, daß Christus nach seiner Auferstehung mehr als 500
Personen erschienen ist, von denen damals noch viele lebten, also als
Zeugen befragt werden konnten (1 Kor. 15,6). Außerdem sollte
man sich nur einmal vor Augen halten, daß alle Apostel (mit
Ausnahme von Johannes) für ihren Glauben das Martyrium
erduldeten. Sie hätten ihr Leben durch die Verleugnung Christi
leicht retten können, haben es aber nicht getan. Für
eine Lüge geht man nicht in den Tod!
Aber nicht nur sie, sondern Tausende und Abertausende von Menschen
haben seither ihr Leben für den Glauben an Christus
hingegeben. Auch sie hätten sich zumeist leicht retten
können, wenn sie ihren Glauben widerrufen hätten.
Doch lieber wollten sie bis in den Tod dem treu sein, der zuerst
für sie in den Tod gegangen war. Will man sie alle
für fanatische Phantasten oder irregeführte Dumme
halten?
Kirche
Kirche - wozu?
Der menschgewordene Sohn Gottes verbrachte von den 33 Jahren seines
Lebens nur drei mit dem öffentlichen Wirken. Während
dieser Zeit lehrte er, gab Anweisungen, heilte die Kranken an Seele und
Leib. Es strömten viele Menschen zusammen, wenn er in eine
Stadt einzog, doch - was sind schon ein paar Tausend gegen die
Milliarden, die seitdem gelebt haben und bis zum Ende der Welt noch
leben werden? Sollten die Wohltaten seines Evangeliums, sollte die
Erlösung auf so wenige beschränkt bleiben, die das
Glück hatten, in den Jahren 30-33 ausgerechnet in
Palästina zu leben? Nein, Gott wollte es den Menschen
möglichst leicht machen, der Früchte der
Erlösung teilhaftig zu werden. Daher berief er die Apostel,
die nach seinem Leiden und Sterben sein Werk in der Zeit fortsetzen und
über die ganze Welt ausbreiten sollten. Den heiligen Petrus
(und in ihm dessen Nachfolger) machte er zu dem Fundament, auf das er
seine Kirche gründete.
Der Auftrag
Besonders nach seiner Auferstehung erklärte der Herr den
Seinen ihre Aufgabe. Vieles, was er darüber zu ihnen sprach,
wurde nicht in der Bibel aufgeschrieben, das Wichtigste ist jedoch klar
gesagt, so z.B. Mt. 28, 18-20: "Mir (Christus) ist alle Gewalt gegeben
im Himmel und auf Erden. So geht denn hin und lehret alle
Völker, indem ihr sie tauft auf den Namen des Vaters und des
Sohnes und des Heiligen Geistes und sie alles halten lehrt, was ich
euch geboten habe. Seht, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der
Welt."
Mit diesen Worten übertrug der Herr das dreifache Amt, das er,
der Gottmensch, während seines irdischen Lebens mit
höchster Autorität ausgeübt hatte: das
Lehramt ("lehret alle Völker"), das Priesteramt "taufet!") und
das Hirtenamt ("lehret sie alles halten, was ich euch geboten habe!")
In diesen drei Ämtern wurde der heilige Petrus nicht nur
über die Gläubigen, sondern auch über die
übrigen Apostel gestellt. Nachdem der Herr ihm zweimal die
Leitung seiner Lämmer befohlen hatte, sprach er beim dritten
Mal zu Petrus: "Weide meine Schafe!" (Joh. 21, 16ff) So ist der
Nachfolger des heiligen Petrus, der Papst, der Stellvertreter Christi
auf Erden, auch über die Bischöfe gestellt.
Das Lehramt
Im Markusevangelium finden wir folgende Worte: "Gehet hin in alle Welt
und predigt das Evangelium allen Geschöpfen. Wer glaubt und
sich taufen läßt, wird gerettet werden; wer aber
nicht glaubt, wird verdammt werden." (16, 16)
Die Bedingung gerettet zu werden, ist also der Glaube an das von den
Aposteln verkündete Evangelium, die Lehre Christi. Damit aber
die Kirche das Evangelium stets wahrheitsgemäß
verkünden könnte, verlieh er ihr den Beistand des
Heiligen Geistes, kraft dessen sie unfehlbar ist, wenn sie in Fragen
des Glaubens und der Sitten eine endgültige Entscheidung
trifft. So ist die katholische Kirche Zeugin der göttlichen
Wahrheit, aber auch Auslegerin ihrer Lehre und der Hl. Schrift, sowie
Richterin bei Kontroversen in Glaubensfragen. Welche Autorität
der Herr der Kirche gab, zeigen uns seine Worte im Lukasevangelium:
"Wer euch hört, der hört mich; wer euch verwirft, der
verwirft mich; wer aber mich verwirft, der verwirft den, der mich
gesandt hat." (10, 16)
Wie wichtig dieses Lehramt ist, erkennt man an der Tatsache,
daß sich alle, die sich von der katholischen Kirche getrennt
haben, in ungezählte weitere Sekten gespalten haben, da man
sich über die Lehre nicht mehr einig wurde. Wer soll auch die
wahre Lehre garantieren, wenn nicht das katholische Dogma, an dem alle
lebendigen Glieder der Kirche durch die Jahrhunderte unentwegt
festgehalten haben und welches mit der Unterordnung unter die von
Christus eingesetzte Hierarchie und mit der Teilnahme an den
Sakramenten das einigende Band der Gemeinschaft der Gläubigen
bildet.
Das Hirtenamt
Christus selbst übergab dem heiligen Petrus und in ihm dessen
Nachfolgern die Leitung der von ihm gestifteten Kirche: "Du bist
Petrus. Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten
der Hölle werden sie nicht überwältigen. Ich
will dir die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was immer du
auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und was
immer du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel
gelöst sein." (Mt. 16, 18 ff) Mit der Übergabe des
Schlüssels ist die Übertragung der Verwaltung
ausgedrückt. Die Binde- und Lösegewalt wird z.B. im
Bußsakrament, durch das der Bekennende von seinen
Sünden befreit wird, sichtbar. Sie bedeutet aber auch die
Vollmacht der Kirche, den Gläubigen Gebote aufzuerlegen. Die
Bischöfe nehmen als Nachfolger der Apostel z.B. in ihren
Diözesen oder bei Konzilien dem Papst untergeordnet an der
Leitung der Kirche teil. Den Bischöfen sind die einfachen
Priester unterstellt. Die Kirche ist also nicht etwa eine reine
Geistkirche, sondern auch eine sichtbare, hierarchisch strukturierte
und vollkommene Gemeinschaft. Sie muß sichtbar sein, damit
sie von allen Menschen als die wahre und von Gott gestiftete Kirche
erkannt werden kann.
Das Priesteramt - die Gewalt des
Heiligens
Die ewige Seligkeit setzt eine makellose innere Beschaffenheit der
Seele voraus. Es genügt also nicht, geglaubt und
äußerlich der Kirche angehört zu haben.
Vielmehr muß die Seele von ihren Sünden gereinigt
und mit der heiligmachenden Gnade, die ein
übernatürliches Geschenk ist, geschmückt
sein. Die Reinigung von der Sünde und das Erlangen der Gnade,
fassen wir beides kurz mit dem Wort "Heiligung" zusammen. Das
muß während des irdischen Lebens geschehen. Schon
dieses Leben soll durch und durch geheiligt sein, geprägt
durch die Freundschaft mit Gott.
Alle Gnaden schenkt Gott den Menschen durch die Vermittlung der Kirche,
deren unsichtbares Haupt Christus ist, die Quelle der Gnade. Weil aber
die Kirche eine sichtbare ist, deshalb beauftragte Er vor allem ihre
Diener, die dazu geweihten Priester, mit der Ausspendung der Gnade,
besonders mittels der Sakramente.
Die Sakramente
Die sieben Sakramente sind Gnadenmittel. Es sind von Christus
eingesetzte, äußere Zeichen, welche bestimmte Gnaden
andeuten und dieselben zugleich im Menschen, der sie empfängt,
bewirken.
So deutet das Übergießen des Täuflings mit
Wasser das Abwaschen der Erbsünde (falls vorhanden auch
persönlicher Sünden) an. Aber die Taufe ist, wie
jedes Sakrament, nicht bloß eine symbolische Handlung,
sondern kraft dieses Sakramentes wird die Seele tatsächlich
von jeder Schuld gereinigt und erhält die heiligmachende
Gnade, wodurch der Mensch Kind Gottes und Erbe des Himmels wird.
Damit der Getaufte im Stand der Gnade gefestigt und zum
öffentlichen Bekenntnis des Glaubens gestärkt wird,
erhält er das Sakrament der Firmung. Das dritte Sakrament, die
hl. Eucharistie, wurde von Christus als das Opfer des neuen Bundes
eingesetzt. In der hl. Messe wandelt Christus durch den Priester Brot
und Wein in sein Fleisch und Blut. Er selbst hat es so angeordnet, weil
er die Speise unserer Seele, eine übernatürliche
Stärkung sein und uns so in eine immer tiefere Vereinigung mit
ihm führen wollte. Zudem sollte uns so ein Gedächtnis
seines Leidens und Todes und ein kostbares Unterpfand seiner Liebe zu
uns gegeben werden.
Im Bußsakrament werden die Sünden getilgt, in die
man nach der Taufe gefallen ist. So ist nach dem Fall immer die
Möglichkeit zum Neuanfang gegeben. Bei schwerer Krankheit wird
das Sakrament der Letzten Ölung oder Krankensalbung gespendet,
wodurch die Sünden getilgt werden, wenn sie der Kranke trotz
seiner Reue aus Schwäche eventuell nicht mehr beichten kann.
Vor allem wird er aber durch dieses Sakrament für den
Todeskampf gestärkt. Eine dritte Wirkung der Krankensalbung
kann die Wiederherstellung der leiblichen Gesundheit sein, wenn
nämlich Gott voraussieht, daß dies für das
Seelenheil des Kranken gut wäre.
Die schon erwähnte Priesterweihe und die christliche Ehe haben
schließlich eine Aufgabe vor allem in bezug auf die
Gemeinschaft der Gläubigen, wie dies bei der Priesterweihe
schon gezeigt wurde. Im Sakrament der Ehe erhalten Mann und Frau von
Gott den Auftrag, Kinder zu zeugen und sie so zu erziehen,
daß sie einmal wahre Christen und letztlich Bürger
des Himmels werden können. Die gegenseitige Liebe der Eheleute
soll auch ein Abbild jener wunderbaren Liebe sein, die zwischen
Christus und seiner Kirche besteht (vgl. Eph. 5,22ff.).
Religionen
Sind alle Religionen gleich?
"Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte,
der Anfang und das Ende." (Off. 22, 13)
Der Mensch geht von Gott aus, um zu Gott zurückzukehren. Gott
ist sein Ursprung und sein Ziel. Der Mensch wird von Gott geschaffen,
um in Gott sein volles Glück und seine letzte Bestimmung zu
finden. Dazu ist er auf Erden.
Darum wohnt im Menschen von Natur aus der Drang nach Gott.
Äußert sich dieser Drang und verleiht der Mensch ihm
Ausdruck und Gestalt, dann sprechen wir von "Religion" im Sinne von
"relegere", was soviel bedeutet wie nachdenklich sein angesichts einer
wichtigen Sache. Eine solche Religion kann subjektiv, d.h.
persönlich, bleiben, oder sie kann sich objektivieren in
Lehren, Strukturen und Riten. Letzteres ist meistens der Fall.
Der Mensch kann jedoch durch seine natürlichen, endlichen
Bemühungen niemals den absoluten, unendlichen Gott erreichen.
Damit seine Anstrengungen also erfolgreich sind und eine Verbindung
tatsächlich zustandekommt, ist es nötig,
daß Gott selbst sich herabläßt und diese
Verbindung herstellt. Wo Gott dies tut und so dem inneren Drang des
Menschen antwortet und entspricht, reden wir von einer wahren Religion
im Sinne von "religare", was soviel bedeutet wie verbunden sein.
Die wahre Religion kommt nicht mehr vom Menschen, sondern von Gott!
Darum prägt bei ihr nicht die subjektive, vom Menschen
ausgehende Religion die objektive, sondern umgekehrt, die von Gott
ausgehende objektive Religion prägt die subjektive des
Menschen. Nicht mehr der Mensch verleiht hier seinem subjektiven Drang
Ausdruck, sondern Gott selbst setzt den objektiven Rahmen, in dem der
Drang des Menschen eben nicht ins Leere geht, sondern sein Ziel
erreicht.
Eine solche wahre Religion kann daher nie rein subjektiv sein. Sie
muß immer objektiv sein, d.h. sie hat eine bestimmte Lehre,
eine bestimmte Struktur und bestimmte Riten, und all das nicht durch
rein menschliche, sondern durch göttliche Einsetzung.
Die eine wahre Religion
"Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller,
der über allen ist und vor allen und in allen." (Eph. 4, 5f)
Die Menschen sind viele, Gott aber ist nur einer, und er allein ist
Ursprung und Ziel aller Menschen. Darum gibt es viele Religionen, aber
nur eine wahre Religion, die die Menschen auch wirklich mit ihrem
Ursprung und Ziel verbindet, mit dem "Gott und Vater aller". Da die
wahre Religion nur eine ist, aber von Gott für alle Menschen
aller Zeiten bestimmt ist, nennen wir sie allumfassend, universal, oder
nach dem Griechischen "katholisch", was dasselbe bedeutet.
Diese Religion wurde von Christus, dem menschgewordenen Gott, selbst
gegründet. Er gab ihr seine Lehre, die wir Offenbarung nennen
oder Glaubensgut; er gab ihr eine Struktur, nämlich die
Kirche, die wir wegen ihrer Gründung auf ihre oberste
Autorität, den Papst, Bischof von Rom, und wegen ihrer
Universalität die "römisch-katholische" nennen; er
gab ihr die Riten, nämlich die Sakramente und allen voran das
hl. Meßopfer. Und darum heißt es: "Ein Herr, ein
Glaube, eine Taufe."
Das ist die objektive wahre Religion. Der Mensch entspricht ihr
subjektiv, indem er die Offenbarung im Glauben annimmt, indem er durch
die Taufe der Kirche eingegliedert wird, indem er an den Sakramenten
und besonders an der hl. Messe teilnimmt. Auf diese Weise gelangt er
zur echten Verbindung mit Gott. "Wer glaubt und sich taufen
läßt, wird gerettet." (Mk. 16, 16)
Die wahre Religion kommt von Gott. Der Mensch verbindet sich mit Gott,
indem er die wahre Religion annimmt. Dazu muß er aber die
ganze Religion annehmen, soweit er sie erkennt. Es genügt also
nicht, wenn er vom Glauben nur soviel annimmt, wieviel ihm gut oder
verständlich erscheint; es genügt nicht, nur den
Glauben anzunehmen, nicht aber auch die Struktur der Kirche mit dem
Papst und den Bischöfen oder die Sakramente mit der hl. Messe.
Hier eine Auswahl zu treffen heißt, nicht die wahre Religion
von Gott anzunehmen, sondern sich aus deren Elementen eine eigene
menschliche Religion zurechtzulegen, die deswegen keine Verbindung mit
Gott schafft.
Zwar kann sich Gott auch von einem Menschen finden lassen, der ihn
aufrichtig sucht, aber ohne eigene Schuld von der wahren Religion
nichts oder nur Ungenügendes weiß. Doch findet ein
solcher Mensch mit Gott zugleich die wahre Religion, mag es ihm auch
nicht bewußt sein. Denn er ist mit Gott in Verbindung, und
das bedeutet ja eben wahre Religion.
Ein solcher Mensch nimmt daher grundsätzlich den ganzen
Glauben an, selbst wenn er nur wenig davon weiß; er nimmt das
an, was er weiß und würde alles annehmen, wenn er
alles wüßte. Ein solcher Mensch empfängt
auch die Taufe, mindestens die "Begierdetaufe", d.h. er
wünscht getauft zu werden, wenn es möglich
wäre, oder er würde es doch wenigstens
wünschen, wenn er darum wüßte; und dadurch
wird er bereits ein Glied der Kirche. Ein solcher Mensch würde
auch an den Sakramenten teilnehmen, wenn es ihm möglich
wäre und er davon wüßte. Ein solcher Mensch
findet Gott also in der wahren Religion, nicht in einer anderen.
Der Alte und der Neue Bund
"Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das
für euch vergossen wird." (Lk. 22, 20)
"Denn unser Gott ist im Himmel, er tut alles was er will. Die
Götzen der Heiden sind Silber und Gold, Werke von
Menschenhänden." (Ps. 113, 11 ff)
Weil die katholische Religion den Menschen wahrhaft mit Gott verbindet,
nennen wir sie einen Bund. Es ist ein Bund, den Gott mit den Menschen
geschlossen hat: der Neue Bund. Es gab auch einen Alten Bund.
Dieser Alte Bund war die jüdische Religion. Auch die
jüdische Religion wurde von Gott gegründet. Aber sie
war nur eine vorbereitende Religion, eine vorläufige Religion.
Es war eine Religion nur für ein Volk, noch nicht für
alle Menschen. Durch sie sollte das Volk Israel auf die Menschwerdung
Gottes vorbereitet werden, die sich in eben jenem Volk ereignen sollte.
Als aber der menschgewordene Gott seine neue und eigentliche Religion,
die nun für alle Menschen war, begründet hatte, da
hatte die alte Religion ihren Zweck erfüllt und war
überflüssig geworden. Der Alte Bund wurde
abgelöst durch den Neuen Bund, die jüdische Religion
durch die universale, katholische.
Von diesem Neuen Bund spricht schon der Prophet Jeremias im Alten
Testament: "Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da ich mit dem
Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund
schließe, nicht einen Bund, wie ich ihn mit ihren
Vätern geschlossen, am Tage, da ich ihre Hand ergriff, um sie
aus dem Lande Ägypten zu führen." (Jer. 31, 31 ff)
Und im Neuen Testament heißt es zu dieser Stelle: "Da er aber
von einem neuen Bund redet, macht er den ersten zu einem alten. Was
aber veraltet ist und greisenhaft, ist dem Vergehen nahe." (Hebr. 8,
13) Im 2. Korintherbrief steht: "Denn bis auf den heutigen Tag liegt
dieselbe Hülle über der Lesung des Alten Bundes, ohne
daß sie weggenommen würde, nachdem er doch mit
Christus ein Ende nahm." ( 2. Kor. 3, 14)
Den Alten Bund gibt es also nicht mehr. Es gibt nur noch den Neuen
Bund. Es gibt nur eine einzige wahre Religion: die katholische. Nur in
ihr können die Menschen Gott, ihr Ziel, nach dem der Drang
ihres Herzens geht, auch wirklich finden. In keiner anderen Religion
können die Menschen mit Gott in Verbindung treten, denn all
diese Religionen sind reines Menschenwerk, nicht Gottes Werk. Gott aber
kann in reinem Menschenwerk nicht sein.
Messe
Die heilige Messe
Wenn jemand eine Heldentat vollbracht hat, setzt man ihm zur Erinnerung
daran ein Denkmal. Die entscheidenste Tat der Weltgeschichte ist nun
aber der Kreuzestod Jesu Christi, da durch ihn die Welt, die durch die
Sünde in die Gottesferne gefallen war, erlöst worden
ist. Auch für diese Tat gibt es ein Denkmal: die heilige Messe.
Freilich ist dieses Denkmal viel vollkommenerer Art als die
Denkmäler, die von Menschen gemacht worden sind. Es ist nicht
nur ein totes Gebilde, das in uns bloß die Erinnerung an
etwas wachrufen würde, was vor fast 2000 Jahren geschehen ist,
sondern viel mehr: Die heilige Messe ist nicht nur Erinnerung, sondern
auch Vergegenwärtigung und unblutige Erneuerung dieses einen
Opfers Jesu Christi. In geheimnisvoller Weise wird das Kreuzesopfer
Christi in jeder Messe gegenwärtig.
Die wahre Gegenwart Christi
Daher werden in der Messe nicht etwa nur Brot und Wein geopfert,
sondern wie am Kreuz - der Leib und das Blut Jesu Christi. Was Christus
beim letzten Abendmahl, also unmittelbar bevor er hinging, um zu
leiden, getan hat, das tun seine Priester gemäß dem
Auftrag Christi (Lk. 22,19) seither immer wieder: Sie verwandeln Brot
und Wein in den Leib und das Blut unseres Erlösers.
Lesen wir, was das Evangelium darüber berichtet:
"Während des Mahles nahm Jesus Brot, brach es und gab es den
Jüngern mit den Worten: »Nehmet hin und esset, dies
ist mein Leib«. Dann nahm er einen Kelch, danke und reichte
ihn ihnen mit den Worten: »Trinket alle daraus, denn dies ist
mein Blut des Neuen Bundes, das für viele vergossen wird zur
Vergebung der Sünden«" (Mt. 26, 26-28).
Es kann nach diesen Worten kein Zweifel darüber bestehen,
daß Christus uns wirklich seinen wahren Leib und sein wahres
Blut im Sakrament der Eucharistie hinterlassen wollte. Man
müßte dem Text Gewalt antun, wollte man daraus
lesen, Christus habe nur ein Symbol für seinen Leib und sein
Blut einsetzen wollen.
Selbstverständlich kann man die Verwandlung von Brot und Wein
nicht mit den Methoden der Naturwissenschaft feststellen. Christus
fordert den Glauben an sein Wort, darum bleiben die
äußeren Gestalten völlig
unverändert. Was sich unseren Sinnen darbietet, sieht
weiterhin aus wie Brot bzw. Wein, schmeckt so und hat auch sonst alle
Eigenschaften von Brot und Wein. Aber der gläubige Mensch
weiß, das dies nur Schein ist, daß nun eine andere
Realität unter diesen äußeren Gestalten
verborgen ist.
Bestätigende Wunder
Gott hat den Glauben an die wirkliche Gegenwart Christi in der
Eucharistie durch verschiedene Wunder bestätigt, die heute
noch jeder nachprüfen kann, der es nur ernsthaft will. Eines
der bekanntesten und sichersten Wunder ist das von Lanciano. Dort
verwandelte sich im 8. Jahrhundert, als ein junger Priester unter
erheblichen Glaubenszweifeln die Messe feierte, die Hostie in ein
blutiges Stück Fleisch und der konsekrierte Wein in
schäumendes rotes Blut. Diese verwandelten Gestalten sind -
ohne zu verwesen, was ein weiteres Wunder darstellt - bis auf den
heutigen Tag erhalten geblieben und wurden 1970 einer medizinischen
Untersuchung unterzogen. Die streng wissenschaftliche Prüfung
kam zu folgenden Ergebnissen:
1. Es handelt sich um wirkliches Fleisch und Blut.
2. Sowohl das Fleisch als auch das Blut stammen von einem Menschen.
3. Das Fleisch weist die Struktur des Herzgewebes auf.
4. Das Fleisch und das Blut haben dieselbe Blutgruppe.
5. Fleisch und Blut gleichen dem einer lebenden Person, d.h. es
scheint, als seien sie gerade einer lebenden Person entnommen worden.
Das Kreuzesopfer unter uns
Warum werden nun Leib und Blut getrennt auf dem Altar
gegenwärtig gesetzt? Eben um anzudeuten, daß in der
heiligen Messe das Kreuzesopfer vergegenwärtigt wird, denn am
Kreuz hatte Christus sein Blut vergossen, waren Leib und Blut also
getrennt.
Somit ist der Erlösungstod Christi für uns nicht ein
Ereignis, das seit 2000 Jahren der Vergangenheit angehört,
sondern wird immer wieder zur Gegenwart. Wer an der Messe teilnimmt,
der weilt unter dem Kreuz Christi, der wird von der ganzen Liebe des
sterbenden Erlösers beschenkt.
Der Priester
Bei diesem Geheimnis hat der Priester nicht bloß die Rolle
eines Gemeindevorstehers, sondern er ist Stellvertreter Jesu Christi.
Christus wirkt durch ihn und bringt durch ihn das Opfer dar. Darum sagt
der Priester bei der Wandlung nicht: "Das ist der Leib Jesu Christi" ,
sondern er sagt: "Das ist mein Leib."
Dies ist die Größe des katholischen Priestertums,
daß Christus durch dieses unter uns weiterlebt: predigend,
segnend, Sünden vergebend und sein Opfer feiernd.
Heilige Kommunion
Nach dem ersten und eigentlichen Höhepunkt, nämlich
der Wandlung, gibt es in der heiligen Messe noch einen zweiten
Höhepunkt: die heilige Kommunion. Hier findet der
gläubige Mensch die höchste Vereinigung mit Gott, die
hier auf Erden möglich ist. Wer kommuniziert, der nimmt
Christus selbst in sein Herz auf, wird von seiner Liebe
überreich beschenkt und bereitet sich so auf die ewige
Vereinigung mit ihm im Himmel vor. Daher sagt Christus: "Wer mein
Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der hat ewiges Leben, und
den werde ich auferwecken am Jüngsten Tag. Denn mein Fleisch
ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank. Wer mein
Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich
in ihm."( Joh. 6, 54-56)
Wie glücklich ist daher der gläubige Katholik. In
keiner anderen Religion gibt es eine solch liebende Nähe
Gottes zum Menschen.
Beichte
Das Ziel
Das letzte Ziel des Menschen ist es, nach seinem Tod Gott ewig zu
schauen, zu lieben und zu besitzen. Dies erlangt zu haben wird
für ihn das höchste Glück sein, dies
verfehlt zu haben das höchste Unglück.
Dieses Glück wird ihm von Gott zuteil als Lohn für
ein gutes Leben, denn das irdische Leben ist eine Zeit der
Bewährung, in der man sich für Gott entscheidet oder
gegen ihn, für Himmel oder Hölle.
Der Weg
Gott hat uns in dieser Zeit der Entscheidung nicht ohne Hilfe gelassen.
Um uns Maßstäbe für das, was wir tun
sollen, zu geben, hat er uns seine Gebote geoffenbart: Die 10 Gebote.
Wenn uns diese normalerweise auch durch die Erziehung vermittelt
werden, so hat er sie noch zusätzlich in unser Herz
geschrieben. Eine innere Stimme warnt uns, wenn wir etwas
Böses tun wollen, oder sie treibt uns an, wenn es etwas Gutes
ins Werk zu setzen gilt. Diese innere Stimme ist das Gewissen. Durch
die gewohnheitsmäßige Befolgung seiner Anweisungen,
sowie durch das Gebet um rechte Erkenntnis und die
Beschäftigung mit den Wahrheiten des Glaubens wird das
Gewissen verfeinert. Dagegen wird es durch Mißachtung seiner
Mahnungen, durch schlechte Gewohnheiten oder schlechten Umgang
abgestumpft, verblendet und verbogen. Wer das Ziel des Lebens erreichen
will, muß also sein Gewissen in der genannten Weise an den
Geboten der Religion bilden.
Um uns um so sicherer auf dem rechten Weg zu erhalten, hat uns auch die
von Christus gestiftete hl. Kirche, von ihm selbst dazu
ermächtigt, Gebote vorgelegt, die gewisse Mindestforderungen
des christlichen Lebens darstellen, z.B. das Gebot des
sonntäglichen Meßbesuchs.
Die Sünde - Abkehr von Gott
Nun handelt aber der Mensch im praktischen Leben allzuoft nicht nach
diesen von Gott gegebenen Regeln. Denn die Welt mit ihren falschen
Grundsätzen und scheinbar erfüllenden
Glücksgütern (Macht, Besitz, Ruhm), die von der
Erbsünde herrührende Begierlichkeit und die
Versuchungen des Teufels gaukeln ihm ständig das Böse
als etwas Erstrebenswertes vor und umgekehrt. Wenn sich nun der Mensch
gegen den Willen Gottes entscheidet, so sündigt er. Dies kann
in Gedanken, Worten, Werken, aber auch durch Unterlassung des Guten, zu
dem wir verpflichtet wären, geschehen. Die Sünde
besteht also in der Abkehr von Gott und in der Zuwendung zum
Geschöpf, entweder dadurch, daß man es statt Gottes
zu seinem letzten Ziel macht, oder indem man es nicht in einer Gott
untergeordneten Weise anstrebt.
Die schwere Sünde
Nicht alle Sünden sind gleich schwerwiegend. Handelt es sich
bei einer schlechten Tat um eine wichtige Sache (oder hat diese Tat
schwerwiegende Folgen) und sind auch klare Erkenntnis der
Sündhaftigkeit und volle Zustimmung des Willens da, so ist die
Abkehr von Gott eine vollständige. Der Mensch verweigert dabei
- auch wenn er es nicht so ausspricht oder in Gedanken formuliert -
Gott ganz grundsätzlich den schuldigen Gehorsam. Er macht
etwas Geschöpfliches, letztlich sich selbst, zum Endziel
seines Lebens.
Die Folge einer solchen schweren Sünde - auch
Todsünde genannt - ist der Verlust der heiligmachenden Gnade
und der Gotteskindschaft. Anstatt in die beglückende Schau
Gottes einzugehen, würde der in diesem Zustand sterbende
Mensch der Strafe der ewigen Gottesferne, der Hölle verfallen.
Schwere Sünden sind nicht nur Taten wie Mord und Ehebruch,
sondern z.B. auch: Vernachlässigung einer grundlegenden
Kenntnis des Glaubens und der daraus folgenden Moral, sowie der
religiösen Praxis, Verführung zum Bösen (wie
auch Freude an Schlechtem, schlechte Wünsche), Anschauen
schlechter Filme, schlechte Lektüre, Selbstbefriedigung,
außerehelicher Verkehr, Gebrauch von
Verhütungsmitteln, Abtreibung, böse Nachrede,
Spielereien mit Spiritismus usw.
Die läßliche
Sünde
Ist die böse Handlung von geringerem Gewicht, ist die
Schlechtigkeit einer Sache nicht hinreichend erkannt oder ist nur eine
teilweise Zustimmung vorhanden, so wird die Hinordnung des Menschen auf
Gott durch die Gnade nicht zerstört. Man spricht dann von
einer läßlichen Sünde.
Wenn auch die läßliche Sünde nicht die
Freundschaft mit Gott und die Hinordnung auf ihn zerstört, so
ist sie doch eine Beleidigung des unendlich liebenswürdigen
Gottes. Sie macht uns, besonders wenn sie oft und freiwillig geschieht,
zur schweren Sünde geneigt und behindert sehr das Wirken der
Gnade Gottes in unserer Seele. Wer nicht aufrichtig nach Besserung
strebt, läuft große Gefahr, tiefer zu fallen. Der
Verstand wird auf die Dauer geblendet und der Wille zum Guten
geschwächt.
Das Heilmittel für die
Sünde
Christus hat für die Not der in die Sünde
verstrickten Menschen ein Heilmittel gegeben, indem er nach seiner
Auferstehung zu seinen Jüngern sprach: "Empfanget den Heiligen
Geist. Wem immer ihr die Sünden nachlaßt, dem sind
sie nachgelassen; wem ihr sie behaltet, dem sind sie behalten." (Joh.
20, 23) Dies war die Einsetzung des Bußsakramentes, auch
Beichte genannt. Nicht aus eigener Kraft, sondern im Auftrag und in der
Vollmacht Christi spricht dabei der Priester den Sünder, der
aufrichtig und reumütig seine Verfehlungen bekennt, von seinen
Sünden frei, seien sie auch noch so schwer. Die Seele wird so
von jeder Schuldbefleckung gereinigt und wieder mit der Gnade
geschmückt und geheiligt.
Christus selbst also hat die Sündenvergebung an den Priester
geknüpft. Das Sündenbekenntnis ist nötig,
weil der Stellvertreter Gottes ja sonst nicht erkennen könnte,
wem er die Sünden nachlassen, oder wem er sie "behalten" soll,
was z.B. der Fall wäre, wenn der Beichtende zu erkennen gibt,
daß er keine Reue hat. Wichtig ist, daß die Reue
nicht eine Sache des Gefühls, sondern des Willens ist.
Weil die Sünden so getilgt sind und weil Gott dieses Sakrament
der Barmherzigkeit zum Nutzen und nicht zum Nachteil des
Sünders eingesetzt hat, deshalb ist der Priester zu strengstem
Stillschweigen über das verpflichtet, was ihm in der Beichte
anvertraut wurde. Das nennt man Beichtgeheimnis. Der Priester ist
schwer verpflichtet, wenn es sein müßte, eher das
Leben zu lassen, als irgendwie zu verraten, was er hier vernommen hat.
Tod
Tod und Gericht
"Und wie es dem Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, und
dann kommt das Gericht...." (Heb. 9, 27)
Der Mensch ist zusammengesetzt aus Leib und Seele. Der Leib besteht aus
Materie. Alles aus und mit Materie Zusammengesetzte unterliegt aber den
Gesetzen der Materie und daher der ständigen Wandlung, der
Entstehung und Auflösung. Die Auflösung der
Zusammensetzung von Leib und Seele nennen wir Tod.
Der Mensch war in seinem Urzustand durch eine besondere
übernatürliche Gabe vor dieser Auflösung
bewahrt. Durch die Sünde der Stammeltern ging diese Gabe
verloren, und daher nimmt die Natur nun ihren gewöhnlichen
Verlauf: Alle Menschen müssen sterben. Das gilt ohne jede
Ausnahme!
Beim Tod trennt sich also die Seele vom Leib. Der Leib, der aus Materie
besteht, zerfällt. Die Seele aber besteht nicht aus Materie.
Sie ist geistig, einfach und nicht zusammengesetzt. Deshalb kann die
Seele auch nicht zerfallen und vergehen wie der Leib, sondern sie
bleibt bestehen. Was aber geschieht nun mit der Seele, die getrennt vom
Leib weiterlebt?
Das persönliche Gericht
Mit dem Leib hat die Seele auch die Möglichkeit ihrer meisten
natürlichen Tätigkeiten verloren. Damit ist die Zeit
ihres Wirkens und Verdienens vorbei: "Es kommt die Nacht, da niemand zu
wirken vermag." (Joh. 9, 4) Nun ist es also soweit, daß die
Seele den Lohn für ihre Arbeit erhält.
Der Mensch hat auf Erden gelebt, um sich die ewige Seligkeit in der
Anschauung Gottes zu verdienen. Dafür hat er eine bestimmte
Lebensfrist erhalten. Nun, nach deren Ablauf, kommt alles darauf an, ob
er sein Ziel erreicht hat oder nicht und wie er die zur
Verfügung stehende Zeit genutzt hat. Das wird sogleich nach
dem Tod geprüft im persönlichen Gericht.
Himmel, Hölle, Fegfeuer
Die Seele steht nun nackt und bloß, nur mit ihren geistigen
Fähigkeiten Verstand und Wille, Gott gegenüber.
Diejenige Seele, die sich in der Todsünde und daher in der
Trennung von Gott befindet, wendet ihren Willen sofort weit vom
Angesicht Gottes. Freiwillig hat sie sich von Gott getrennt und kann
und will diese Trennung jetzt nicht mehr rückgängig
machen. Sie flieht vor Gott.
Da die Seele unsterblich ist, lebt sie von jetzt an in ewiger Trennung
von Gott. Den Zustand und Ort dieser ewigen Trennung von Gott, dem Ziel
aller Sehnsüchte und der Quelle aller Freuden, nennen wir die
Hölle.
In der Hölle leiden die Seelen nicht nur unsagbare Qualen
durch die endgültige Trennung von Gott, es werden ihnen auch
noch zusätzliche Strafleiden auferlegt für ihre
bösen Werke, die nicht nur gegen den Schöpfer,
sondern auch gegen die Schöpfung gerichtet waren. Daraus
besteht die doppelte Pein in der Hölle, die das Evangelium in
den schrecklichsten Worten schildert.
Wir lesen vom "Feuerofen", wo "Heulen und Zähneknirschen" sein
wird (Mt. 13, 50), von der "ewigen Pein" (Mt. 25, 46) und dem
"unauslöschlichen Feuer, wo ihr Wurm nicht stirbt und das
Feuer nicht erlischt." (Mk. 9, 43 ff) "Der Wurm", das ist die
Gewissenspein, durch eigene Schuld ewig von Gott getrennt zu sein; das
Feuer, das "nicht erlischt", sind die zusätzlichen Strafleiden.
Ganz anders die Seelen, die im Stande der heiligmachenden Gnade und
daher in der Liebe zu Gott vom Leib scheiden. Die Liebe treibt ihren
von der Erdenschwere befreiten Willen förmlich in die "Arme"
Gottes, dessen Natur sie durch die Gnade bereits in sich tragen. Nun
werden sie ihn ewig schauen und liebend besitzen, in ewigem
Glück und ewiger Freude. Und das nennen wir den Himmel.
Ebenso wie die Verdammten in der Hölle ihrer bösen
Werke gegen die Schöpfung wegen noch zusätzliche
Peinen erleiden außer der endgültigen Trennung von
Gott, so werden die Seligen des Himmels mit zusätzlichen
Freuden belohnt, die zum ewigen Genuß Gottes noch hinzukommen.
Christus spricht mehrfach vom Himmel, von der ewigen
Glückseligkeit: "Euer Herz wird sich freuen, und eure Freude
wird niemand von euch nehmen." (Joh. 16, 22) - "Ihr sollt essen und
trinken an meinem Tisch in meinem Reich und auf Thronen sitzen und die
zwölf Stämme Israels richten." (Lk. 22, 30)
Er spricht vom besonderen Lohn: "Freut euch und frohlockt, denn euer
Lohn ist groß im Himmel." (Mt. 5, 12) Doch
übersteigt die Wonne des Himmels so sehr jede menschliche
Vorstellungskraft, daß der hl. Paulus sagt: "Kein Auge hat es
gesehen, kein Ohr gehört und in keines Menschen Herz ist es
gedrungen, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben." (1 Kor. 2, 9)
Es gibt aber auch Seelen, die zwar im Tod durch keine Todsünde
von Gott getrennt sind, jedoch noch zeitliche Strafen für
läßliche Sünden abzutragen haben. Obwohl
sich diese Seelen im Stand der Gnade und der Liebe zu Gott befinden,
können sie doch, durch die ihnen noch anhaftenden Makel
beschwert, dem Trieb ihres Willens zu Gott nicht Folge leisten. Solche
Seelen müssen daher zuvor von ihren Makeln gereinigt werden.
Dafür gibt es den Reinigungsort, der auch Fegfeuer genannt
wird. Man nennt ihn so nach dem hl. Paulus, der im 1. Korintherbrief
von demjenigen spricht, dessen Werke zwar auf den rechten Grund (d.i.
die Gnade) gebaut sind, aber vor Gott nicht bestehen können:
"Er selbst aber wird selig werden, jedoch so wie durch Feuer hindurch."
(1 Kor. 3, 15)
Aus dem Fegfeuer kommt die Seele erst frei, wenn sie "den letzten
Heller bezahlt" hat (Mt. 5, 26). Dann aber, vollkommen gereinigt und
durch nichts mehr behindert, kann sie dem Ruf der Liebe folgen: "Gehe
ein in die Freude deines Herrn!"(Mt. 25, 21)
Vollendung
Die Vollendung der Welt
"Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb, und an
ihm werden die Himmel zusammenkrachend vergehen, die Elemente brennend
sich auflösen, und auch die Erde und die Werke auf ihr werden
sich darunter befinden." (2 Pet. 3,10)
"Wir erwarten aber nach seiner Verheißung einen neuen Himmel
und eine neue Erde, worin die Gerechtigkeit wohnt." (2 Pet. 3, 13)
Der Mensch besteht aus Leib und Seele. Darum sind die abgeschiedenen
Seelen ohne Leiber unvollständige Menschen. Die
endgültige Vollendung der Welt verlangt aber Vollkommenheit.
Auch verlangt es die Gerechtigkeit, daß auch die Leiber der
Menschen, mit denen sie Gutes oder Böses getan haben, ihren
Anteil am Lohn oder der Strafe erhalten. Darum hat Gott einen Tag
festgesetzt, an dem die Seelen ihre Leiber wieder erhalten: den
Jüngsten Tag, das Ende der Welt.
Die Reinigung der Erde
Die materielle Schöpfung dient dem Menschen dazu, die ewige
Seligkeit zu erlangen. Erreicht er sein Ziel, so erhält seine
Seele Anteil am Leben und an der ewigen Herrlichkeit Gottes. Durch die
Seele erhält auch der Leib nach seiner Auferstehung Anteil an
dieser Herrlichkeit Gottes. Und da die ganze materielle
Schöpfung auf die Seligkeit des Menschen hingeordnet ist, soll
auch sie für und durch die Menschen Anteil an dieser
Herrlichkeit Gottes erlangen.
Deshalb schreibt der hl. Paulus im Römerbrief von der
Hoffnung, die Gott gab, "daß auch sie, die
Schöpfung, von der Knechtung an die Vergänglichkeit
befreit wird zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes."
(Röm. 8, 21)
Durch die Sünden der Menschen hat auch die Schöpfung
gelitten. "Denn wir wissen, daß bis zur Stunde die gesamte
Schöpfung in Seufzen und Wehen liegt." (Röm. 8, 22)
Das zeigt unsere so vielfach zerstörte Umwelt gerade heute in
erschreckender Weise. Darum ist es notwendig, daß sie zuvor
gereinigt, geläutert und wiederhergestellt wird. Auch das wird
am Jüngsten Tage geschehen. Die bestehende Schöpfung
wird von Gott aufgelöst und erneuert. "Und ich sah einen neuen
Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde
sind vergangen, auch das Meer ist nicht mehr." (Off. 21, 1)
Auf dieser neuen, gereinigten, verklärten Erde wird dann die
Wohnstätte der Seligen des Himmels sein. Die Hl. Schrift
spricht von dieser Wohnstätte als vom "neuen Jerusalem", der
"heiligen Stadt Jerusalem, die von Gott aus dem Himmel herniederstieg
in der Herrlichkeit Gottes." (Off. 21, 10)
Doch diese Stadt kann nur von den Gerechten, den Heiligen und
Verklärten bewohnt werden, die in der Freundschaft Gottes
stehen. "Den Feiglingen aber und den Treulosen, den Unheiligen und
Mördern, den Unzüchtigen und Zauberern, den
Götzendienern und allen Lügnern wird ihr Anteil sein
im See, der von Feuer und Schwefel brennt; das ist der zweite Tod."
(Off. 21, 8)
Das Jüngste Gericht
Vor dieser letzten Vollendung der Welt gibt es also noch einmal eine
Scheidung der Guten und der Bösen. Wir nennen diese Scheidung
das Jüngste Gericht.
Die Seelen der Menschen sind bereits nach ihrem Tod im
persönlichen Gericht an ihren Platz verwiesen worden. Nun aber
werden die vollständigen Menschen, mit Leib und Seele, ein
zweites Mal gerichtet.
Das Menschengeschlecht ist eine Einheit. Alle Menschen bilden zusammen
eine Familie, bei der die Taten oder Unterlassungen des einen immer
notwendig auch Folgen haben für die anderen. Darum
müssen jetzt auch die Taten aller Menschen aller Zeiten
für alle Menschen aller Zeiten offenbar werden. "Denn nichts
ist verborgen, das nicht offenbar wird; und nichts ist geheim, das
nicht bekanntwerden und an den Tag kommen wird." (Lk. 8, 17) Das
geschieht beim Jüngsten Gericht. Deshalb nennen wir es auch
das "allgemeine Gericht".
Die endgültige Scheidung
"Ich sah die Toten, groß und klein, vor dem Thron
stehen, und Bücher wurden geöffnet. Ein eigenes Buch
wurde geöffnet, das ist das Buch des Lebens, und die Toten
wurden aus dem, was in den Büchern war, gerichtet nach ihren
Werken." (Off. 21, 12)
"Es ist geschehen. Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das
Ende." (Off. 21, 6)
"Ich sah die Toten, groß und klein, vor dem Thron stehen, und
Bücher wurden geöffnet. Ein eigenes Buch wurde
geöffnet, das ist das Buch des Lebens, und die Toten wurden
aus dem, was in den Büchern war, gerichtet nach ihren Werken."
(Off. 21, 12)
Die Gutes getan haben und in der Gnade Gottes gestorben sind, erhalten
ihren Leib in verklärtem Zustand zurück. Ihre Leiber
sind jetzt also nicht nur vollkommen, ohne Makel, unversehrt,
unverletzlich und unsterblich. Dazu kommt noch Klarheit des Leibes,
d.h. ein strahlender Glanz, der von der Herrlichkeit der Seele auf den
Leib überfließt; Beweglichkeit und Leichtigkeit,
d.h. daß die Seele den Leib mit Leichtigkeit bewegen kann,
wohin sie nur will; Geistigkeit des Leibes, d.h. daß der Leib
dem Geist so vollständig unterworfen ist, daß er
jedem Wink des Willens folgt.
Die Böses getan haben und in der Feindschaft Gottes gestorben
sind, erhalten ihre Leiber ebenfalls zurück. Auch ihre Leiber
sind vollkommen, unzerstörbar und unsterblich. Doch dient
ihnen ihre Unzerstörbarkeit und Unsterblichkeit nur dazu,
ewige unsagbare Peinen zu erdulden, denen sie weder durch
Schwäche noch durch Tod entgehen können: "Sie werden
gepeinigt werden Tag und Nacht in alle Ewigkeit." (Off. 20, 10)
Selbstverständlich fehlen ihren Leibern die Klarheit,
Beweglichkeit und Geistigkeit, die eine Folge der ewigen Seligkeit sind.
Ein Fegfeuer gibt es nicht mehr, denn mit der Vollendung der Welt haben
alle ihr endgültiges Ziel erreicht: den Himmel oder die
Hölle.
Das ist die Vollendung der Welt: die verklärte, verherrlichte,
vergöttlichte Schöpfung. Sie umfaßt das
ganze geheiligte Universum: die heiligen Engel, die heiligen Menschen,
die gereinigte und verklärte Materie. Das ist der neue Himmel
und die neue Erde.
"Draußen aber sind die Hunde und die Zauberer, die
Unzüchtigen und die Mörder, die Götzendiener
und jeder, der die Lüge liebt und sie begeht." (Off. 22, 15)
Alles Übel und alles Böse ist damit für
immer von der verklärten Schöpfung ausgeschieden und
besteht in ewiger Trennung von ihr fort: Die Dämonen, die
verdammten Menschen und der "Feuersee": die Hölle.
Maria
Gottesgebärerin
"Siehe, du wirst empfangen und einen Sohn gebären und
seinen Namen Jesus nennen. Dieser wird groß sein und Sohn des
Allerhöchsten genannt werden; Gott, der Herr, wird ihm den
Thron seines Vaters David geben, und er wird herrschen über
das Haus Jakob ewiglich, und seines Reiches wird kein Ende sein." (Luk
1,31)
Schon in der ältesten Marienantiphon "Sub tuum praesidium"
wird in der griechischen Urfassung Maria als "Gottesgebärerin"
bezeichnet. Viele Kirchenväter und –schriftsteller
nennen sie bereits im 3. Jahrhundert so.
Im Jahre 413 findet in Ephesus ein Konzil statt. Ephesus ist die Stadt,
in der Maria gemäß der Überlieferung nach
der Himmelfahrt ihres Sohnes lebte. Denn in Ephesus war der Apostel
Johannes Bischof, und ihm hatte Christus seine Mutter vom Kreuze herab
übergeben.
Das Konzil von Ephesus beschäftigt sich mit den Lehren eines
Mannes namens Nestorius. Diese Lehren liefen darauf hinaus, zu
behaupten, Maria habe nur einen einfachen Menschen geboren. Erst danach
habe sich mit diesem Menschen das Wort Gottes, die zweite Person der
Dreifaltigkeit, aufs innigste verbunden. Dagegen hält das
Konzil von Ephesus fest: Maria ist "Theotokos",
"Gottesgebärerin".
Maria hat den Sohn Gottes geboren. Nicht irgendeinen Menschen, sondern
die zweite göttliche Person selbst. Jesus, ihr Sohn, ist Gott.
Er ist Jahwe. Und zwar von Anfang an. Ihn, das Wort Gottes, hat sie bei
der Verkündigung des Engels in ihrem Schoß
empfangen, Ihn, das Wort Gottes, hat sie neun Monate lang getragen, und
Ihn, das Wort Gottes, hat sie im Stall von Bethlehem geboren. "Et
verbum caro factum est – und das Wort ist Fleisch geworden"
(Joh 1,14), so beschreibt der heilige Johannes dieses Geheimnis.
Jungfrau und Mutter
"Siehe, die Jungfrau * wird empfangen und einen Sohn
gebären und seinen Namen ‚Immanuel‘
nennen." (Is 7,14)
* Das hebräische "alma" = "die junge Frau" wird bereits in der
griechischen Septuaginta (noch vor Christus) mit "parthenos"
übersetzt, was "Jungfrau" im eigentlichen Sinne bedeutet.
Diese Prophezeiung des Isaias hat sich in Maria erfüllt. Die
Kirche lehrt, dass sie vor, in und nach der Geburt Jungfrau war und
blieb, Jungfrau an Leib und Seele.
Jungfrau vor der Geburt: "Und er [ihr Bräutigam Josef]
erkannte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar [1], und er gab ihm den
Namen Jesus" (Matth 1,25). Diese Stelle greift ganz offensichtlich die
Prophezeiung des Isaias auf und will die Jungfräulichkeit
Mariens vor der Geburt deutlich machen. Diese ist dem Evangelisten
besonders wichtig, weil er zeigen will, dass Jesus Christus keinen
menschlichen Vater hat. Sein Vater ist Gott allein.
Jungfrau während der Geburt: "Zur Frau sprach er [Gott]:
»Zahlreich will ich deine Beschwerden machen und deine
Schwangerschaften: unter Schmerzen sollst du Kinder gebären.
Und doch steht dein Begehren nach deinem Manne, er aber soll herrschen
über dich.«" (1Mos 3,16) Dies verhängte
Gott zur Strafe für die Sünde. Jeder Mensch kommt mit
der Erbsünde behaftet zur Welt. Darum ist die Geburt mit
Schmerzen und Wehen verbunden. Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist
ohne Sünde. Auch Maria, seine Mutter, ist ohne Sünde.
Darum erfolgt die Geburt ohne Schmerzen, ohne Verletzung der
Jungfräulichkeit.
Jungfrau nach der Geburt: "Ein verschlossener Garten ist meine
Schwester Braut, eine verschlossene Tür, ein versiegelter
Quell" (Hohel 4,12). Der Schoß, der den Sohn Gottes getragen
hat, ist geheiligt, ist ein Tempel, ein Gotteshaus. In ihm ist nur
Platz für Gott. Nichts Unreines darf in ihn eingehen. Kein mit
der Erbsünde behafteter Mensch kann darin empfangen oder
daraus geboren werden. [2]
Darum wird Maria zur Mutter der Erlösten. Die in der Taufe
"mit Christus gestorben" (Kol 2,20) sind, die ihm gleich geworden sind,
die reingewaschen sind durch das reinigende "Bad der Wiedergeburt" (Tit
3,5), die bringt sie gleichsam als Mutter zur Welt. "Er lässt
die Kinderlose in der Familie glücklich wohnen als frohe
Mutter von Söhnen" (Ps 113,9). So wird sie als Jungfrau zur
Mutter aller Gläubigen
[1] Dies sagt nichts aus über die Zeit danach.
[2] Als "Brüder und Schwestern" Jesu werden
gemäß dem biblischen Sprachgebrauch allgemein seine
Verwandten verstanden. (Vgl. z.B. 1 Mos 13,8, wo Abram Lot seinen
"Bruder" nennt, obwohl dieser gem. 1 Mos 12,4 sein Neffe war.)
Die Unbefleckte Empfängnis
Im Jahr 1858 erscheint Maria in Lourdes dem Mädchen Bernadette
Soubirous. Bei ihrer Erscheinung am 25. März antwortet sie,
nach ihrem Namen gefragt, und sagt: "Ich bin die Unbefleckte
Empfängnis". Etwa vier Jahre zuvor, am 8. Dezember 1854, hatte
Papst Pius IX. diese Wahrheit feierlich zum Dogma erhoben: Maria ist
die "Unbefleckte Empfängnis".
Das heißt: Maria ist von Anfang an, vom Zeitpunkt ihrer
Empfängnis an, ganz ohne Sünde gewesen. Sie hat nie
den Makel der Erbschuld an sich getragen. "Alles an dir ist
schön, meine Freundin, und kein Makel haftet dir an." (Hohel
4,7)
Es gab Heilige, die schon im Mutterschoß von der
Erbsünde gereinigt wurden. Die meisten Menschen werden erst
nach der Geburt geheiligt durch die Taufe. Doch kein Mensch
außer Maria ist jemals von Anfang an von jeder Ansteckung
durch die Sünde bewahrt geblieben. Dieses einzigartige
Privileg wurde Maria zuteil, weil sie zur Mutter Gottes ausersehen war.
Sie sollte der reine und heilige Tempel sein, in dem Gott Mensch wurde,
das zweite Paradies, in dem der "neue Adam" Christus zur Welt kam.
In den Himmel aufgenommen
Tod und Verwesung gehören zu den Strafen, die auf der
Menschheit wegen der Erbschuld lasten. "Im Schweiße deines
Angesichtes sollst du dein Brot verzehren, bis du zum Ackerboden
wiederkehrst, von dem du genommen bist. Denn Staub bist du, und zum
Staube sollst du heimkehren!" (1Mos 3,19)
Maria war ohne jeden Makel der Sünde. Darum war sie auch frei
von der Sündenstrafe. Maria hätte nicht sterben
müssen. Es gibt jedoch Überlieferungen über
ihren Tod. Da ihr Sohn freiwillig sein Leben gab für die
Sünder, wollte sie es ihm gleichtun. Doch konnte sie, die
Unbefleckte, die Mutter Gottes, ebenso wenig im Grab liegen bleiben und
verwesen wie Christus, der völlig Schuldlose. "Denn du gibst
meine Seele nicht der Unterwelt preis und lässt deinen
Heiligen Verwesung nicht schauen." (Ps 16.10)
Wie Christus aus dem Grab auferstand und als Sieger zum Himmel fuhr, so
weckte er auch sie aus dem Grab wieder auf und nahm sie zu sich in den
Himmel. Darum verkündete Papst Pius XII. im Jahr 1950 dieses
Dogma: "Maria ist mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden."
Wir feiern dieses Geheimnis jedes Jahr am 15. August.
Maria
Miterlöserin und Mittlerin aller Gnaden
"Es standen bei dem
Kreuze Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die
Frau des Klopas, und Maria Magdalena." (Joh 19,25)
Maria schenkte der Welt den Erlöser. Ohne sie, seine Mutter,
wäre er nicht zur Welt gekommen. Sie begleitete ihn sein
ganzes Leben hindurch bis zu seinem Tod am Kreuz. Sie stand unter dem
Kreuz, um mit ihm zu opfern, und sie empfing seinen gemarterten Leib in
ihrem Schoß, als er vom Kreuz herabgenommen wurde. So wie sie
den Sohn Gottes einst in ihrem Schoß empfangen hatte, so
empfing sie jetzt den toten Erlöser und mit ihm die
Früchte der Erlösung, um sie an die Menschen
auszuteilen.
Maria war die Gehilfin des Erlösers Jesus Christus auf Erden.
Sie ist jetzt die Gefährtin seiner Herrlichkeit im Himmel.
"Eine Königstochter steht da in deinem kostbaren Schmuck: die
Gemahlin zu deiner Rechten in Ophir-Gold." (Ps 45,10)
Als Königin des Himmels und der Erde verfügt sie
über alle Reichtümer. "Der König Salomo gab
der Königin von Saba alles, wonach sie begehrte und verlangte,
abgesehen von dem, was er ihr bereits, entsprechend der
Möglichkeit eines Königs Salomo, geschenkt hatte."
(1Kön 10,13) Die Gnaden Gottes, der Schatz des
Erlösungswerks Christi, alles gehört ihr, damit sie
freigiebig davon austeilt.
Das Unbefleckte Herz Mariens
"Ein großes Zeichen erschien am Himmel: eine Frau,
mit der Sonne umkleidet, der Mond unter ihren Füßen
und auf ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen." (Offb 12,1)
Genau so, wie der heilige Johannes in seiner Offenbarung die "Frau"
beschreibt, erschien die Jungfrau Maria im Jahr 1917 drei Kindern im
portugiesischen Fatima. Zur Seherin Lucia sagt sie am 13. Juni: "Jesus
möchte sich deiner bedienen, damit die Menschen mich erkennen
und lieben. Er möchte auf Erden die Verehrung meines
Unbefleckten Herzens begründen."
Sie nennt den Zweiten Weltkrieg als ein Zeichen, "das Gott euch gibt,
dass er nun die Welt für ihre Missetaten durch Krieg,
Hungersnot, Verfolgung der Kirche und des heiligen Vaters strafen
wird". Um die Welt zu retten, nennt sie zwei Heilmittel: den
täglichen Rosenkranz und die Verehrung ihres Unbefleckten
Herzens.
"Um das zu verhindern, werde ich kommen, um die Weihe Russlands an mein
Unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ersten
Samstagen zu fordern. Wenn man auf meine Wünsche
hört, wird Russland sich bekehren, und es wird Friede sein.
Wenn nicht, dann wird es seine Irrlehren über die Welt
verbreiten, wird Kriege und Verfolgungen der Kirche
heraufbeschwören, die Guten werden gemartert werden und der
heilige Vater wird viel zu leiden haben; verschiedene Nationen werden
vernichtet werden; am Ende aber wird mein Unbeflecktes Herz
triumphieren. Der heilige Vater wird mir Russland weihen, das sich
bekehren wird, und eine Zeit des Friedens wird der Welt geschenkt
werden."
Auf diese Zeit dürfen wir uns freuen, diese Zeit des Friedens,
die eine Zeit Mariens sein wird.
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