28. August 2008 Seminar Herz-Jesu 
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Das “Dritte Geheimnis” von Fatima im Licht der Offenbarung
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Das “Dritte Geheimnis” von Fatima im Licht der Offenbarung

 

Die Vision von Fatima 

Fatima und die Offenbarung 

Die große Stadt 

Der große Abfall 

Die "zwei Zeugen" 

Reif fürs Gericht 

Die Bekehrung 

Die Martyrerkirche 

Triumph des Unbefleckten Herzens

Literatur


Die Vision von Fatima

 

"J.M.J.

Der dritte Teil des Geheimnisses, das am 13. Juli 1917 in der Cova da Iria, Fatima, offenbart wurde.

Ich schreibe aus Gehorsam gegenüber Euch, meinem Gott, der es mir aufträgt, durch seine Exzellenz, den Hochwürdigsten Herrn Bischof von Leiria, und durch Eure und meine allerheiligste Mutter.

Nach den zwei Teilen, die ich schon dargestellt habe, haben wir links von Unserer Lieben Frau etwas oberhalb einen Engel gesehen, der ein Feuerschwert in der linken Hand hielt; es sprühte Funken, und Flammen gingen von ihm aus, als sollten sie die Welt anzünden; doch die Flammen verlöschten, als sie mit dem Glanz in Berührung kamen, den Unsere Liebe Frau von ihrer rechten Hand auf ihn ausströmte: den Engel, der mit der rechten Hand auf die Erde zeigte und mit lauter Stimme rief: Buße, Buße, Buße! Und wir sahen in einem ungeheuren Licht, das Gott ist: "etwas, das aussieht wie Personen in einem Spiegel, wenn sie davor vorübergehen" einen in Weiß gekleideten Bischof "wir hatten die Ahnung, daß es der Heilige Vater war". Verschiedene andere Bischöfe, Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen einen steilen Berg hinaufsteigen, auf dessen Gipfel sich ein großes Kreuz befand aus rohen Stämmen wie aus Korkeiche mit Rinde. Bevor er dort ankam, ging der Heilige Vater durch eine große Stadt, die halb zerstört war und halb zitternd mit wankendem Schritt, von Schmerz und Sorge gedrückt, betete er für die Seelen der Leichen, denen er auf seinem Weg begegnete. Am Berg angekommen, kniete er zu Füßen des großen Kreuzes nieder. Da wurde er von einer Gruppe von Soldaten getötet, die mit Feuerwaffen und Pfeilen auf ihn schossen. Genauso starben nach und nach die Bischöfe, Priester, Ordensleute und verschiedene weltliche Personen, Männer und Frauen unterschiedlicher Klassen und Positionen. Unter den beiden Armen des Kreuzes waren zwei Engel, ein jeder hatte eine Gießkanne aus Kristall in der Hand. Darin sammelten sie das Blut der Märtyrer auf und tränkten damit die Seelen, die sich Gott näherten.

Tuy-3-1-1944".

 

Dies ist der Text des „Dritten Geheimnisses“ von Fatima, wie er vom Vatikan am 26. Juni 2000 veröffentlicht worden ist. Nach einer recht gut begründeten Theorie des „Fatima Crusader“ (Ausgabe vom Sommer 2000) handelt es sich dabei jedoch nur um die Hälfte des Geheimnisses. Dieses besteht demnach aus zwei Teilen: einer Vision, die Schwester Lucia in ihr Notizbuch niederschrieb (das ist der obige Text) und einer Erklärung dazu, bestehend aus Worten der Muttergottes. Letztere schrieb Schwester Lucia separat auf ein Blatt Papier, das sie in einen Briefumschlag steckte.

„Als Schlußfolgerung ergibt sich, daß der Augenschein in überwältigender Klarheit auf die Existenz von zwei Dokumenten hindeutet. Das eine Dokument umfaßt 4 Seiten Papier und enthält 62 Zeilen Text, die aus Schwester Lucias Notizbuch herauskopiert wurden (und nicht als Brief geschrieben sind), der eine Vision beschreibt, die von den drei Kindern von Fatima geschaut wurde. Er enthält keine Worte unserer Lieben Frau. Dieser Text wurde von Schwester Lucia am 3. Januar 1944 niedergeschrieben, am 4. April 1957 dem Heiligen Offizium übergeben, von Papst Johannes Paul II. am 18. Juli 1981 gelesen (war jedoch nicht der Anlaß für ihn, die Weihe der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens vom 7. Juni 1981 [eigentlich: 13. Mai 1982; Anm.] vorzunehmen), wurde im Heiligen Offizium aufbewahrt und vom Vatikan am 26. Juni 2000 veröffentlicht. Das andere Dokument ist ein Brief von einer Seite Umfang, der etwa 25 Zeilen enthält mit den eigenen Worten Unserer Lieben Frau. Dieser Text wurde von Schwester Lucia am oder sehr kurz vor dem 9. Januar 1944 niedergeschrieben, am 16. April 1957 dem Heiligen Offizium übergeben, von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1978 gelesen (und war der Anlaß für ihn, am 7. Juni 1981 [eigentlich: 13. Mai 1982; Anm.] die Weihe der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens vorzunehmen), wurde in der Suite des Papstes neben seinem Bett aufbewahrt und ist bis zum heutigen Tag nicht durch den Vatikan veröffentlicht worden“ (Andrew M. Cesanek im „Fatima-Crusader“, Nr. 64).

Diese Theorie würde einiges erklären. Z.B. die Frage, warum obige Vision so lange unter Verschluß gehalten wurde, die doch – zumindest in ihrer offiziellen Interpretation durch Kardinal Ratzinger – kaum so explosiv erscheint, daß sie eine so lange Geheimhaltung rechtfertigen würde. Die eigentliche Brisanz scheint also in dem Kommentar, in den Worten der Muttergottes, zu stecken, die wir uns hier, wenigstens ihrem Sinngehalt nach, erschließen wollen.   nach oben

Fatima und die Offenbarung

In ihrer vierten Erinnerung, die sie über die Ereignisse von Fatima im Jahr 1917 niederschrieb, fügt Schwester Lucia den bereits aus ihrer dritten Erinnerung bekannten Worten der Muttergottes vom 13. Juli noch folgende bedeutsame Wendung an: „In Portugal wird sich immer das Dogma des Glaubens erhalten usw.“ Da diese Worte offensichtlich nach einer Fortsetzung verlangen und ebenso offensichtlich nicht mehr zum zweiten Geheimnis gehören, das ja bereits vollständig enthüllt worden ist, schließen Fatima-Experten wie Fr. Michel de la Ste. Trinité zurecht daraus, daß mit ihnen das dritte Geheimnis beginnt.

Wir können daraus zweierlei entnehmen: Erstens, daß das „Dritte Geheimnis“ tatsächlich noch Worte der Muttergottes enthalten muß, die uns der Vatikan bisher unterschlagen hat; zweitens, in welche Richtung diese Worte gehen werden. Denn wenn hier betont wird, daß in Portugal das Dogma des Glaubens erhalten bleibt, dann müssen wir daraus folgern, daß es anderswo verloren gehen wird. Im Dritten Geheimnis geht es also nicht um Rußland, nicht um den Dritten Weltkrieg, sondern es geht um den Glauben, genauer um den Abfall vom Glauben, der offensichtlich ganze Länder, wahrscheinlich sogar Kontinente umfaßt. Da ein so umfangreicher Glaubensabfall nicht denkbar ist ohne ein entsprechendes Versagen der Kirche, ist hier offensichtlich eine Krise der Kirche mit ausgesagt.

Echte Privatoffenbarung zeichnet sich dadurch aus, daß sie der allgemeinen Offenbarung, wie wir sie im Glauben aus der Tradition der Kirche und der Heiligen Schrift annehmen, nichts Neues hinzufügt. Sie legt lediglich das darin bereits Enthaltene auf die jeweilige Zeit und ihre Umstände hin aus. Wir dürfen also davon ausgehen, daß das von der Muttergottes in Fatima Geoffenbarte bereits in der allgemeinen Offenbarung vorhanden, also aus der Lehre der Kirche und der Heiligen Schrift zu erschließen ist.

Ein erster Hinweis ergibt sich aus den Worten über das „Dogma des Glaubens“, aus denen wir bereits einen umfassenden Glaubensabfall gefolgert haben. Finden wir dazu eine Entsprechung in der Offenbarung? Zweifellos, denn wir kennen aus der Offenbarung den „großen Abfall“, die große, allumfassende Apostasie, die als eines der Vorzeichen für das nahende Weltende gilt. In der Dogmatik von Diekamp wird sie als viertes von sechs solchen Vorzeichen aufgezählt: „Viele werden, durch falsche Propheten betört, vom wahren Glauben abfallen, Haß und Verfolgung wird unter den Menschen entstehen, die Liebe wird erkalten (Matth 24,4; vgl. 2 Tim 3,1ff). Dieser Abfall wird vom Apostel mit dem Auftreten des Antichrists in Verbindung gebracht (2 Thess 2,3)“ (Diekamp Bd. III, S. 420f).

Die von Diekamp zuletzt angeführte Stelle beim heiligen Paulus lautet: „Laßt euch nicht so schnell die Besinnung rauben und euch schrecken, weder durch eine Geistesoffenbarung noch durch ein angebliches Wort oder Schreiben von uns, als stünde der Tag des Herrn nahe bevor. Niemand führe euch irre auf irgendeine Weise. Denn zuvor muß der Abfall kommen und offenbar werden der Mensch der Gesetzlosigkeit, der Sohn des Verderbens, der Widersacher, der sich über alles erhebt, was Gott heißt oder Gottesverehrung, so daß er sich in das Haus Gottes setzt und von sich erklärt daß er Gott sei.“ (2 Thess 2,2-4). Hat die Muttergottes etwa davon gesprochen?

Wir müssen wohl davon ausgehen. Zugleich liefert uns diese Stelle einen wichtigen Anhaltspunkt, wo wir weiter suchen müssen, um den Worten der Muttergottes bzw. der richtigen Interpretation der von Schwester Lucia geschilderten Vision auf die Spur zu kommen. Es handelt sich bei den geschilderten Ereignissen zweifellos um Dinge, die dem Kontext der „letzten Zeiten“, dem „Weltende“ zugerechnet werden müssen. Darüber aber spricht vor allem die Offenbarung des heiligen Johannes, die „Apokalypse“.

Tatsächlich gibt es auch Aussagen der Schwester Lucia, die in dieselbe Richtung deuten: „Schwester Lucia hat auch empfohlen, oft die Apokalypse des Apostels Johannes zu lesen und zu meditieren. Über das dritte Geheimnis befragt, hat sie einmal gesagt: ‚Es steht im Evangelium und in der Apokalypse’. Einmal nannte sie sogar die Kapitel 8 bis 13 (TVF, Bd. 3, S.515, 533)“ (P.G. Mura: Rom-Fatima-Moskau; unveröffentlichtes Manuskript).  nach oben

Die „große Stadt

Es fällt nicht schwer, die Vision von Fatima in den Zusammenhang der Symbolik der Apokalypse zu rücken, so etwa die Vision des Engels, der in der linken Hand das Schwert trägt, mit der rechten auf die Erde deutet und dreimal „Buße!“ ruft. Eine ähnliche finden wir im 10. Kapitel der Offenbarung des heiligen Johannes: „Der Engel aber, den ich stehen sah auf dem Meer und auf dem Land, hob seine rechte Hand zum Himmel und schwor bei dem, der in alle Ewigkeit lebt, der den Himmel geschaffen hat und was darin ist, und die Erde und was auf ihr ist, und das Meer und was in ihm ist: ‚Nun wird keine Zeit mehr sein, sondern in den Tagen, da der siebte Engel seine Stimme erhebt und zu posaunen sich anschickt, wird das Geheimnis Gottes erfüllt werden, wie er es verkündet hat seinen Knechten, den Propheten.’“ (Off 10, 5-9).

Aufschlußreich ist besonders die „große Stadt, die halb zerstört war“ und durch die in der Vision der Seherkinder der Heilige Vater gehen muß, bevor er den Berg mit dem Kreuz ersteigt. In der Interpretation Kardinal Ratzingers symbolisiert beides, Berg und Stadt, „die Orte der menschlichen Geschichte: Geschichte als mühevollen Aufstieg zur Höhe, Geschichte als Ort menschlichen Bauens und Zusammenlebens, zugleich als Ort der Zerstörungen, in denen der Mensch sein eigenes Werk vernichtet. Die Stadt kann Ort der Gemeinsamkeit und des Fortschritts, aber auch Ort der Gefährdung und der äußersten Bedrohung sein. Auf dem Berg steht das Kreuz – Ziel und Orientierungspunkt der Geschichte.“ Diese sehr säkulare, etwas freimaurerisch angehauchte und teilhardistischen Geist atmende Erklärung krankt vor allem an mangelnder Rücksicht auf die biblische und prophetische Symbolik. Von Maria als Königin der Propheten dürfen wir wohl erwarten, daß sie sich ganz im Geist und mit den Bildern biblischer Prophetie ausdrückt. Was bedeutet die „große Stadt“? Bedeutet sie wirklich „Geschichte als Ort menschlichen Bauens und Zusammenlebens“, „Ort der Gemeinsamkeit und des Fortschritts“, „Ort der Gefährdung und äußersten Bedrohung“?

Ein Vergleich mit der Apokalypse fördert eine ganz andere und viel tiefgreifendere Erklärung zutage. Dazu müssen wir das 11. Kapitel heranziehen, wo von der Tempelmessung und den „zwei Zeugen“ die Rede ist. Hier heißt es: „Und man gab mir ein Rohr in der Art eines Meßstabs und sagte: ‚Steh auf und miß den Tempel Gottes und den Altar und die Beter darin! Den Vorhof aber außerhalb des Tempels laß beiseite und miß ihn nicht; denn er ist den Heiden gegeben. Sie werden die Heilige Stadt zertreten zweiundvierzig Monate lang.’“ (Off 11,1f). Weiter ist dann die Rede von den „zwei Zeugen“, die auftreten und weissagen werden „zwölfhundertsechzig Tage lang, mit Säcken bekleidet“. „Wenn sie ihr Zeugnis zu Ende geführt haben, wird das Tier, das aus dem Abgrund heraufsteigt, Krieg mit ihnen führen, sie überwinden und sie töten. Ihre Leichen werden liegenbleiben auf der Straße der großen Stadt, die sinnbildlich Sodom und Ägypten genannt wird, in der auch ihr Herr gekreuzigt wurde“ (Off 11,7f). Danach wird geschildert, wie die Feinde der Zeugen zunächst triumphieren, danach aber die zwei Zeugen wieder zum Leben erweckt werden und vor den Augen ihrer Feinde zum Himmel auffahren. „In jener Stunde kam es zu einem starken Erdbeben, und der zehnte Teil der Stadt stürzte ein, und bei dem Erdbeben kamen siebentausend Menschen um. Die übrigen aber gerieten in Furcht und gaben dem Gott des Himmels die Ehre“ (Off 11,13).

Hier ist also dreimal von einer Stadt die Rede. Das erste Mal heißt sie die „Heilige Stadt“, in der sich offensichtlich der Tempel befindet. Das zweite Mal wird sie „große Stadt“ genannt – genau wie in der Vision von Lucia –, allerdings mit dem Zusatz: „die sinnbildlich Sodom und Ägypten genannt wird, in der auch ihr Herr gekreuzigt wurde“. Das dritte Mal schließlich wird von einer teilweisen Zerstörung dieser Stadt berichtet, hervorgerufen durch ein Erdbeben – auch hier wieder ein Anklang an die Vision von Fatima, wo die Stadt „halb zerstört“ war.

Was ist gemeint mit dieser Stadt? Sicher nicht der „Ort der menschlichen Geschichte“, sondern ganz eindeutig Jerusalem, die „Heilige Stadt“, die Stadt, in der sich der Tempel befand und in der – bzw. vor deren Toren – unser Herr gekreuzigt wurde zu einer Zeit, als diese Stadt alles andere als heilig war, sondern wirklich „sinnbildlich Sodom und Ägypten“ genannt werden konnte – Sodom als Inbegriff für Unmoral, Ägypten als Sinnbild für Götzendienst und Zauberei.

Meint nun der heilige Seher an dieser Stelle der Apokalypse das historische Jerusalem? Wohl kaum, denn zu dem Zeitpunkt, da Johannes die Offenbarung niederschrieb, stand das historische Jerusalem mit seinem Tempel nicht mehr. Es war bereits im Jahr 70 zerstört worden. Natürlich ist es nicht auszuschließen, daß der prophetische Blick in die Zukunft ein wieder hergestelltes Jerusalem geschaut hat, in dem auch der Tempel wiederaufgerichtet sein wird. Da jedoch alle Visionen des heiligen Johannes in seiner Offenbarung sich ausschließlich auf die Geschicke des Volkes des Neuen Bundes, der Kirche, beziehen, ist die Annahme viel wahrscheinlicher, daß Jerusalem hier lediglich symbolisch steht für die eigentlich gemeinte Realität: die Kirche. Diese Ansicht vertritt etwa die Echter-Bibel: „Die ‚heilige Stadt’ muß daher ebenfalls symbolische Bezeichnung sein und kann nur die Kirche auf Erden bedeuten“ (S. 50).

Der Kommentar von Arndt in der „Biblia Sacra“ sieht jedoch die Kirche bereits durch den Tempel symbolisiert: „Da der Tempel V.1. der Tempel Gottes heißt, so ist kein wirklich auf Erden vorhandenes Tempelgebäude, sondern die Stätte bezeichnet, wo Gott für seine Christenheit hier auf Erden gegenwärtig ist, seine Kirche. Die heilige Stadt ist zwar um den Tempel gebaut, aber weiter von ihm entfernt“ (S. 969). Was aber bedeutet dann die Stadt selber? „Während Jerusalem V.2. die heilige Stadt genannt wird, weil Gott sie bestimmt hatte heilig zu sein, wird sie doch in demselben Verse bereits als von dem Tempel und den wahren Anbetern getrennt dargestellt. Jerusalem ist hier typisch gesetzt für den Mittelpunkt der Christenheit gegen die Mitte der letzten Weltwoche. Wo dieser Mittelpunkt sein wird, darüber besagt der konkrete Name der Vision: Jerusalem nichts, so wenig wie der Name Babylon betreffs der Hauptstadt der Weltmacht etwas Bestimmtes nahelegt“ (S. 970).

Nach dieser Auffassung würde der Tempel die Kirche bedeuten, die Stadt aber den Mittelpunkt der Kirche, also Rom oder evtl. eine andere Stadt, in die unter der Verfolgung des Antichristen (denn er ist das „Tier“, das die „zwei Zeugen“ verfolgt und tötet) der Mittelpunkt der Christenheit verlegt werden muß.

Wieder eine andere Sicht präsentiert Eduard Schick in seinem Kommentar zur Apokalypse in der Reihe „Geistliche Schriftlesung“: „Als Symbol für die Kirche hätte der Tempelbezirk bildlich ausgereicht; wenn zusätzlich noch ein zweites und obendrein dem ersten nicht ganz gleichartiges Sinnbild hier erscheint, ‚die Heilige Stadt’, so ist anzunehmen, daß diesem auch eine besondere Bedeutung zukommt. Es liegt nahe, in dem Doppelsymbol den Doppelbezug der Kirche auf Gott und auf die Welt angedeutet zu sehen“ (S. 115).

Uns fällt auf, daß auch die Vision von Fatima eigentlich ein Doppelsymbol verwendet: Stadt und Berg. Der Berg wird auf seinem Gipfel von einem „großen Kreuz“ gekrönt, was sich unschwer auf Golgotha deuten läßt. Symbolisch erweitert bedeutet er dann die Stätte des heiligen Opfers und kann somit in der Ebene der Symbolik mit dem Tempelberg in eins gesetzt werden. Damit hätten wir eine weitgehende Analogie des Doppelsymbols Tempel/Stadt in der Apokalypse mit dem Doppelsymbol Berg/Stadt in der Fatima-Vision hergestellt.

Tempel bzw. Berg bedeutet demnach die Kirche, genauer die Kirche in ihrem Bezug auf Gott, also in ihrem Kult, der seinen Gipfel und Mittelpunkt im heiligen Meßopfer hat. Die Stadt, Jerusalem, bedeutet ebenfalls die Kirche, allerdings in ihrem Bezug auf die Welt, was sich sehr gut deckt mit der Auslegung von Arndt, der diese Stadt auf Rom bzw. eine andere Stadt mit derselben Funktion, auf jeden Fall den konkreten und greifbaren Mittelpunkt der Christenheit in der Welt, deutet.

Damit wäre klargelegt, worum es im Dritten Geheimnis von Fatima geht. Es geht auf jeden Fall um die Kirche. Geht es aber auch um eine Krise in der Kirche?  nach oben

Der große Abfall

Es ist wohl eindeutig, daß das 11. Kapitel der Apokalypse von einer Krise der Kirche spricht. Da ist zunächst der Tempel, der mit der Meßschnur gemessen wird, und der Vorhof des Tempels, der „den Heiden gegeben“ ist, die die „Heilige Stadt zertreten“ werden „42 Monate lang“. Was ist damit gemeint?

Laut Arndt geschieht das „Umschließen mit der Meßschnur, um etwas als in sich Geschlossenes, von anderem Getrenntes zu kennzeichnen“ und „kann an sich ein doppeltes Ziel haben: der Zerstörung oder der Bewahrung. Da hier alles Übrige hinausgeworfen werden soll, folgt, daß das Messen der Bewahrung gilt“ (S. 969). Und was ist es, was hier bewahrt werden soll? „Das eigentliche Tempelhaus, das Allerheiligste und das Heilige, mit Ausschluß auch des inneren Vorhofes. Der Altar ist der im Heiligen stehende Räucheraltar. Die Anbetenden erscheinen auf der einen Seite als Priester, insofern sie Zutritt zum Heiligen, freien Zugang zu Gott haben, auf anderer Seite aber als nicht dem Stamme Levi zugehörig, nicht jüdische Priester, also priesterliche Christen, die gläubigen Christen“ (ebd.).

Der Tempel des Herodes, der, wie wir wohl annehmen dürfen, dem heiligen Johannes hier vor Augen steht, war dreigeteilt: Den Mittelpunkt bildete das Allerheiligste mit der Bundeslade, das nur einmal im Jahr vom Hohenpriester betreten werden durfte, daran schloß sich das Heilige mit dem Räucheraltar, in das nur Priester und Leviten eintreten durften; schließlich kam der Vorhof, der wiederum dreigeteilt war in den inneren Vorhof, der den jüdischen Männern vorbehalten war und auch den Brandopferaltar enthielt, den Frauenvorhof für die jüdischen Frauen und den Vorhof der Heiden. Diese drei Vorhöfe also werden zusammen mit der „Heiligen Stadt“ den Heiden zum „Zertreten“ übergeben, während nur das Heilige und das Allerheiligste, das Zentrum und Wichtigste des Tempels, bewahrt bleiben und die, „die in ihm anbeten“ – laut Arndt die priesterlichen oder gläubigen Christen.

Die Echter-Bibel kommentiert diese Stelle: „Die Szene der Tempelmessung weissagt demnach ein Doppeltes: die Kirche verliert bei diesem Ansturm der Gottesfeinde an Boden und Einfluß in der Welt, und zudem wird sie personal durch einen Massenabfall dezimiert ...; alle halben Christen werden in großer Zahl der heidnischen Übermacht geistig erliegen, nur die ganz echten Jünger des Herrn werden sich als betende Minderheit (vgl. Lk 12,32), geschart um Gott und den Opferaltar, in Treue bewähren und von Gott behütet und gerettet werden“ (S. 50).

Schick gelangt unter Einbeziehung des Doppelsymbols Tempel/Stadt zu folgender Auslegung: „Die Kirche verliert vollständig ihre kulturell-profane Position in der Welt, [...] und zurückgedrängt auf ein ‚Sakristeichristentum’, wird sie noch durch einen Massenabfall (der Ausfall des äußeren Vorhofs) personell dezimiert; letzteres würde sich mit diesbezüglichen apokalyptischen Voraussagen an anderen Stellen des Neuen Testaments decken (Mt 24,10-12; 2 Thess 2,3)“ (S. 115).

Die Situation ist also tatsächlich die eines großen Abfalls, wie wir es bereits aus den Worten der Muttergottes über das „Dogma des Glaubens“ entnommen hatten. Zu diesem Massenabfall, vor dem nur wenige „ganz echte Jünger des Herrn“ bewahrt bleiben, die sich „als betende Minderheit, geschart um Gott und den Opferaltar“, also das heilige Meßopfer aller Zeiten, „in Treue“ zur Tradition bewähren; zu diesem Massenabfall hinzu kommt noch der vollständige Verlust der „kulturell-profanen“ Position der Kirche in der Welt. D.h. die Kirche wird aus dem öffentlichen Leben vollkommen verschwinden. Deuten wir die von den Heiden zertretene Stadt im Sinn von Arndt auf Rom, so ergibt sich die Weissagung von La Salette ganz von selbst: „Rom wird den Glauben verlieren...“

Sehen wir diese Prophezeiung heute auch bereits teilweise verwirklicht, so können wir doch nicht umhin zuzugeben, daß sie im letzten Vollsinn erst noch erfüllt werden muß. Das heißt die Krise der Kirche ist noch keineswegs auf ihrem Höhepunkt angelangt. Denn noch hat die Kirche ihren Einfluß und ihre Stellung in der Welt nicht gänzlich verloren.  nach oben

Die „zwei Zeugen

In dieser Zeit des äußersten Abfalls und der größten Bedrängnis werden gemäß der Vision des heiligen Johannes „zwei Zeugen“ als machtvolle Propheten auftreten, um von der Wahrheit Zeugnis zu geben, beschützt von Gott und bezeugt durch Wunder. Wer sind diese „zwei Zeugen“?

Nach den meisten Kirchenvätern handelt es sich bei ihnen um Henoch und Elias, die beide nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift von Gott „entrückt“ worden sind, also ohne zu sterben von dieser Erde genommen wurden. Diese werden nach Aussage der Kirchenväter in jener Zeit wiederkehren, um für Gott zu streiten.

Was ist die besondere Gemeinsamkeit von Henoch und Elias, außer daß beide in den Himmel entrückt wurden? Von Henoch heißt es in 1 Mos 5,21-24 zweimal, daß er „mit Gott wandelte“. Dies scheint außergewöhnlich zu sein, da es hier so sehr betont wird und da ihm außerdem als Lohn dafür die „Entrückung“ zuteil wurde. Wir dürfen also annehmen, daß sein Wandel mit Gott etwas Besonderes war, weil sonst niemand mehr mit Gott wandelte. In einer Zeit des Abfalls bewahrte er also die Treue zu Gott. Ebenso wissen wir von Elias, daß er zur Zeit des gottlosen Königs Achab von Israel und dessen götzendienerischem Weib Jezabel im Nordreich wirkte, das damals weitgehend dem Baalskult verfallen war. Elias selbst bekennt: „Ich habe für den Herrn, den Gott der Heerscharen, geeifert, denn die Söhne Israels haben deinen Bund verlassen; sie haben deine Altäre zerstört, deine Propheten mit dem Schwert getötet, ich allein bin übriggeblieben, und sie trachten danach, mir das Leben zu nehmen“ (3 Kg 19,14). Freilich wird er daraufhin von Gott belehrt, daß es noch weitere siebentausend in Israel gibt, die „ihre Knie nicht vor Baal gebeugt haben“ (V. 18). Dennoch bleibt die Tatsache bestehen, daß auch Elias in einer Zeit massenhaften Abfalls von Gott einer der wenigen bzw. sogar hervorragender Vertreter derer ist, die Gott die Treue bewahrt haben.

Die Züge der „beiden Zeugen“ passen sehr gut auf Henoch und Elias, besonders auch die Zeichen und Wunder, die sie wirken – denken wir etwa an die „Macht, den Himmel zu verschließen, daß kein Regen falle in den Tagen ihrer Weissagung“, ein deutlicher Anklang an die Geschichte des Elias (3 Kg 17,1ff; 18,1 u.a.). Auch die Himmelfahrt der beiden, nachdem sie vom „Tier“ getötet worden sind, ist nichts anderes als die Vollendung ihrer „Entrückung“ (vgl. die Himmelfahrt des Elias im „feurigen Wagen“, 4 Kg 2,11f). Wir können also der Ansicht der Kirchenväter, unter ihnen der hl. Johannes Damascenus, Theodoret, Ephrem, Cyrill v. Alexandrien, Gregor d. Große u.a., ohne weiteres folgen.

Gewiß wäre es auch möglich, daß es sich bei diesen Zeugen um zwei andere Propheten handeln wird, die jedoch ganz im Geist des Henoch und Elias handeln, so wie unser Herr über Johannes den Täufer sagt, daß in ihm Elias gekommen sei (Mt 17,10-13). Dies wird sich jedoch erst erkennen lassen, wenn es so weit ist, d.h. wenn die „zwei Zeugen“ wirklich als Personen in Erscheinung treten.

Es ist jedoch ein Kennzeichen biblischer Prophetie, daß außer dem direkten Sinn auch noch ein „weiterer“ Sinn in der Offenbarung enthalten ist. Diesen weiteren Sinn erschließt uns Schick folgendermaßen: „Auch in der Epoche stärkster Beeinträchtigung beziehungsweise der praktischen Verdrängung aus der Weltöffentlichkeit wird sich die Kirche nicht selbstgenügsam in das ihr von außen aufgezwungene Getto einschließen, sondern trotz äußerster Bedrohtheit im Vertrauen auf die Bewahrung durch den Allherrscher ihren Sendungsauftrag in und an der Welt weiter erfüllen. Diese Tatsache ist in dem Bild von den zwei Zeugen vorausgesagt und allegorisch-symbolisch entfaltet. Weil der Kirche als oberste Aufgabe obliegt, das Zeugnis Jesu zu bewahren und es der Menschheit allerorten zu allen Zeiten zu künden, heißen die beiden Vertreter der Christgläubigen inmitten der gottlos gewordenen Welt einfachhin Zeugen. Einer in der Antike, auch im alttestamentlichen Schrifttum, häufigen literarischen Gewohnheit entsprechend, Gemeinschaften wie beispielsweise eine Stadt in einer fiktiven Einzelgestalt symbolisch darzustellen und zu charakterisieren, werden wir die zwei Zeugen zunächst als Sinnbild für die Kirche in ihrer Gesamtheit aufzufassen haben. Die Doppelung ihrer Gestalt ist hier nicht durch unterschiedliche Individualisierung bedingt, denn alle Aussagen zu Erscheinung und Wirksamkeit gelten undifferenziert von beiden Zeugen. Äußerlich könnte die Zweizahl durch Abhängigkeit von der Vorlage bei Zacharias (Zach 4,2-14) veranlaßt sein, deren Elemente allerdings von Johannes sonst frei benutzt und zu einem eigenständigen Bild umgestaltet sind. Wahrscheinlich jedoch soll aufgrund eines antiken Rechtssatzes: ‚Durch zweier Zeugen Mund wird alle Wahrheit kund’ (vgl. Dt 19,15; Mt 18,16; 2 Kor 13,1; 1 Tim 5,19) mit der Verdoppelung die Besonderheit ihrer Glaubwürdigkeit besonders unterstrichen werden. Hauptinhalt ihres Zeugnisses ist der prophetische Ruf zur Bekehrung, wie es ihre Kleidung (das Trauer- und Bußgewand; vgl. Gen 37,34 ...) anzeigt und sich übrigens auch aus der Situation ihres Auftretens ergibt. Die Kirche wird demnach die Aufforderung zur Umkehr auch während der Zeit, in der ‚die Heilige Stadt’ den Heiden preisgegeben ist (...), das ist in der Epoche des Massenabfalls der Gläubigen, nicht verstummen lassen“ (S. 117).

Kurz, auch in der Zeit des großen Glaubensabfalls, in der Krise der Kirche, wird es nicht an einer zwar geringen, aber ausreichenden und vor allem durch entsprechende Zeichen in ihrer Glaubwürdigkeit bestätigten Zahl von Gläubigen (ob Priestern, Ordensleuten oder Laien) fehlen, die nach wie vor am Glauben und an der Tradition festhalten, die Wahrheit bezeugen und zur Umkehr mahnen. „In Portugal wird sich das Dogma des Glaubens immer erhalten...“ – Der Engel, der den „Bewohnern der Erde“ mit lauter Stimme zuruft: „Buße! Buße! Buße!“...

Kein Wunder, daß diese „zwei Zeugen“ den gottlos gewordenen Menschen „ein Stachel im Fleisch“ und daher lästig sind. Sie werden deshalb bekämpft, und zwar vom Antichrist, der sie schließlich auch besiegen und töten wird.

„Je nachdem nun in 13,1 ff das Tier aus dem Abgrund als Individuum (‚der Antichrist’) anzusehen ist oder nicht, wird dasselbe auch hier von den zwei Zeugen angenommen werden dürfen, die von dem Tier umgebracht werden. Die Weiterführung ihrer Beschreibung im folgenden scheint die Annahme zu begünstigen, daß die Weissagung unseres Textes, obwohl sie sicherlich zunächst ganz allgemein das Schicksal der Kirche in der Endzeit beschreibt, zusätzlich für die besonders schwierige Lage vor dem Ende der Zeit zwei konkrete prophetische Gestalten verheißt, die der Kirche in der Auseinandersetzung mit der ebenso konkreten Gestalt des Antichrist beistehen werden“ (Schick S. 120).  nach oben

Reif fürs Gericht

Nach der Tötung der beiden Zeugen, heißt es, bleiben ihre Leiber unbeerdigt liegen „auf der Straße der großen Stadt, die sinnbildlich Sodom und Ägypten genannt wird, in der auch ihr Herr gekreuzigt wurde“ (11,8).

Nach Arndt ist dies „die Stadt, in welcher jene Zeugen ihre Wirksamkeit gehabt haben und in der das Tier, das dort wohl seinen Sitz hat, sie getötet hat“. Dies erinnert an die Worte der Muttergottes in La Salette: „Rom wird den Glauben verlieren und Sitz des Antichristen werden.“ Doch weiter bei Arndt: „Nach V. 9 ist es eine Stadt, in der Leute aus allen Völkern wohnen und zusammenkommen. Ihrer geistigen Beschaffenheit, ihrem Versunkensein in die Sünde nach, die bis zur Gewalttätigkeit gegen Gottes Diener und Volk fortschreitet, verdient sie Sodoma und Ägypten genannt zu werden und wie jene dem Gerichte zu verfallen, während Gottes Diener errettet werden. Der Stadt wird eine Mitschuld am Tode der beiden Zeugen beigemessen. Während Jerusalem in V.2 die heilige Stadt genannt wird, weil Gott sie bestimmt hatte heilig zu sein, wird sie doch in demselben Verse bereits als von dem Tempel und den wahren Anbetern getrennt dargestellt. Jerusalem ist hier typisch gesetzt für den Mittelpunkt der Christenheit gegen die Mitte der letzten Weltwoche. [...] In V.8 wird Jerusalem die große Stadt genannt, um auf die Menge der Gottesfeinde hinzuweisen, welche auch die Wahl des Landes Ägypten als Name versinnbildet (Hieronymus)“ (S.970).

Wenngleich also der Antichrist und seine Vorhut die eigentlich treibende Kraft sind, so wird doch auch das vom Glauben abgefallene Rom, das die eigene Tradition verfolgt, mitschuldig am Tod der „beiden Zeugen“ und wird dafür von Gott zur Verantwortung gezogen.

Vergleichen wir hierzu die Echter-Bibel: „Der tödliche Haß, der in den Bewohnern der ‚großen Stadt’ gegen die Zeugen brannte, glüht noch nach in der Schmach, die sie ihnen nach dem Tode antun; ihre Leichen bleiben 3 ½ Tage – das Unheilszeitmaß der gebrochenen Sieben, hier verkürzt im Vergleich zu V.3 – auf der Straße liegen und dürfen nicht bestattet werden, eine Maßnahme, die für antikes Fühlen tiefste Entehrung bedeutete. Diese Schändung nehmen Angehörige aller Völker im Augenschein mit Freuden zur Kenntnis; der Schauplatz des Geschehens weitet sich also über den geographischen Rahmen einer Stadt hinaus, an das historische Jerusalem ist demnach nicht zu denken. Die Gottlosen (‚Bewohner der Erde’) jubeln, daß die lästigen Bußprediger, die ihr Gewissen ständig beunruhigten, endlich mundtot gemacht sind; als Ausdruck ihrer Freude senden sie sich gegenseitig Geschenke, wie es die von ihren Feinden erlösten Juden zur Zeit des Königs Assuerus getan hatten. Die Stätte der Wirksamkeit der beiden Zeugen, ihres Todes und ihrer Schändung ist dieselbe; 11,2 hieß sie noch die ‚heilige Stadt’, jetzt nach der Preisgabe an die Heiden wird sie die ‚große Stadt’ genannt; der Zusatz ‚wo auch ihr Herr gekreuzigt wurde’ beweist, daß dem Apostel wie in V.2 wohl die konkrete Vorstellung von Jerusalem vorschwebt, aber hier wie dort versteht er sie in übertragenem Sinn. Infolge des Einbruchs der Heiden, des Abfalls der großen Masse und ihres Versinkens in heidnische Lebensart hat die verweltlichte Kirche nicht bloß den Namen ‚die heilige Stadt’ verwirkt, auf sie passen wegen ihrer Lasterhaftigkeit und Verstocktheit nur noch die symbolischen Namen Sodoma und Ägypten, die als Typen der Gottlosigkeit galten“ (S. 51f).

Schick schreibt zur „großen Stadt“: „Die Stätte ihres Wirkens, die den Heiden preisgegebene ‚Heilige Stadt’ (11,2), heißt jetzt nach dieser Untat ‚die große Stadt’ wie später Babylon, die Hauptstadt des Antichrist (...). Wie es jetzt in ihr aussieht und zugeht, ist mit den als ‚geistig’ (symbolisch) bezeichneten Namen Sodoma und Ägypten angedeutet. Sodoma dient der prophetischen Literatur als Urbild sittlicher Verkommenheit (vgl. Is 1,9; ...), und Ägypten ist ebenda der Typus für Tyrannei und Verstocktheit (Weish 19,13-17). Auch die Zusatzbemerkung über die Kreuzigung Jesu ist wie alles andere hier symbolisch zu verstehen. An dem Bild von Jerusalem – zu Beginn des Zwischenstücks (11,1-2) zunächst Sinnbild für das Ineinander von Welt und Kirche – hatte Johannes die Zurückdrängung der Kirche aus der Welt dargestellt; das Stadtgebiet und ein Teil des Tempelbezirks gingen in Feindbesitz über. Den Umstand nun, daß in dem historischen Jerusalem der Herr gekreuzigt worden war, nimmt der Seher zum Anlaß für die Feststellung, daß dieselben Mächte, welche Ursache des Todes Jesu waren, auch hinter der Verfolgung seiner Kirche am Werk sind. Jesu Tod setzt sich fort im Martyrium seiner Gläubigen; die Kirche ist ja bereits in den ältesten Dokumenten christlicher Theologie ihrem Wesen nach als Leib Christi definiert, dem die Gläubigen wie Glieder angehören (Röm 12,4f; 1 Kor 6,15; 10,16f; 12,12-14; Eph 1,23f u.ö.)“ (S. 121).

Die Situation innerhalb der Kirche hat sich also im Verlaufe des Massenabfalls und im Gefolge des Auftretens der „zwei Zeugen“ noch einmal dramatisch verschlimmert. Aus der bereits vom Abfall betroffenen „heiligen Stadt“ ist infolge ihrer Verstocktheit gegen die Bußpredigt und ihrer Mitschuld bei der Verfolgung und schließlichen Tötung der lästigen Zeugen die „große Stadt“ geworden, die aufgrund ihrer Verkommenheit nur noch mit „Sodoma und Ägypten“ verglichen werden kann. Sie ist reif für das Gericht.

Der Hinweis auf die Kreuzigungsstätte unseres Herrn deutet nicht nur hin auf die Feinde der Kirche, die dieselben sind, die auch den Herrn gekreuzigt haben, sondern auch auf den Weg, den die Kirche wird gehen müssen. Es ist derselbe Weg, den unser Herr Jesus Christus gegangen ist, der Weg hin zum Kreuz, zum Martyrium. Und genau auf diesem Weg sieht die Vision von Fatima schließlich den Papst, die Bischöfe und Ordensleute gehen, nachdem die „große Stadt“ zum Teil zerstört worden ist.  nach oben

Die Bekehrung

Über das weitere Schicksal der beiden Zeugen heißt es in der Apokalypse: „Doch nach dreieinhalb Tagen fuhr Lebensgeist von Gott her in sie, und sie stellten sich auf ihre Füße, und große Furcht fiel über alle, die sie sahen. Und sie vernahmen eine laute Stimme, die ihnen vom Himmel her zurief: ‚Steigt hier herauf!’ Und sie stiegen zum Himmel empor in der Wolke, und ihre Feinde sahen ihnen zu. In jener Stunde kam es zu einem starken Erdbeben, und der zehnte Teil der Stadt stürzte ein, und bei dem Erdbeben kamen siebentausend Menschen um. Die übrigen aber gerieten in Furcht und gaben dem Gott des Himmels die Ehre“ (Off 11,11-13). Im Vergleich dazu noch einmal die entsprechende Stelle aus der Vision von Fatima: „Bevor er dort ankam, ging der Heilige Vater durch eine große Stadt, die halb zerstört war und halb zitternd mit wankendem Schritt, von Schmerz und Sorge gedrückt, betete er für die Seelen der Leichen, denen er auf seinem Weg begegnete.“

Dazu Arndt: „In der Stunde, in welcher das V.12 Erzählte geschah, brach auch das Gottesgericht herein. Dasselbe beginnt bei dem Hause Gottes (1 Petr 4,17). Die Kirche wird um die Mitte, die Welt am Ende der letzten Weltwoche ins Gericht gerufen. – Wie über Jerusalem, so ergeht auch über Babel 16,19 das Gericht. Während aber von Babel 16,19 drei Teile fallen, das übrige von einem Mühlstein vernichtet wird und alle ihre Einwohner umkommen, fällt von der Christenstadt nur der zehnte Teil; es sind ja noch Anhänger der beiden Zeugen da, und die übrigen tun Buße“ (S.971).

Die Echter-Bibel: „Der Triumph der Gottlosen ist von kurzer Dauer; die Zeugen werden von Gott wieder zum Leben erweckt und vor den Augen ihrer Feinde verherrlicht. [...] Das Wunder der Auferstehung macht den verfrühten Jubel verstummen und verbreitet großen Schrecken. Doch nicht zu erneuter Wirksamkeit werden die Zeugen ins Leben zurückgerufen, sondern um in gleicher Weise wie ihr Herr und Meister, ‚der treue und wahrhaftige Zeuge’ (3,14), verherrlicht zu werden, nachdem sie sein Los bis in den Tod hinein mit ihm geteilt haben. [...] Der Eindruck dieser Wunder auf die Menschen wird noch dadurch erhöht, daß gleichzeitig mit ihnen eine Bestrafung der Mörder stattfindet; ein starkes Erdbeben bringt ein Zehntel der Stadt zum Einsturz und begräbt siebentausend Menschen unter den Trümmern. Die Überlebenden erkennen in der Katastrophe Gottes Strafgericht über ihre Untat; durch dieses doppelte Bekenntnis Gottes zu seinen Zeugen wird erreicht, was diese selbst durch ihre Predigt nicht zustande gebracht hatten, die Bekehrung und damit die Beendigung des großen Abfalls in der Christenheit. Das Gericht, das ‚bei dem Hause Gottes’ begann (vgl. 1 Petr 4,17; Jer 25,29; Ez 9-11), ist diesem zum Heil geworden“ (S. 52).

Schick vergleicht ebenfalls die Auferweckung der beiden Zeugen mit der Auferweckung Jesu und schreibt: „Das Ereignis ihrer Erweckung wie ihrer nachfolgenden Aufnahme in den Himmel spielt sich, anders als dieselben Ereignisse im Leben Jesu, vor den Augen der erschreckten Gegner ab. Gott hat sich in ihnen stärker gezeigt als alle Macht des Tieres, für das die Masse Partei ergriffen hatte; der Jubel der ‚Bewohner der Erde’ schlägt daher jäh um in Angst und Schrecken, denn sie ahnen Gottes Strafgericht, das sich sogleich in äußeren Vorgängen anzeigt. Wie auch bei der Auferweckung Jesu entsteht ein großes Erdbeben (vgl. Mt 28,2), das ein Zehntel der Stadt in Trümmer legt und die entsprechende Anzahl von Menschen unter dem Trümmerhaufen begräbt. Das Zwischenstück endet mit der tröstlichen Feststellung, daß infolge der Ereignisse an den toten Zeugen das eintritt, was diese selbst mit ihrer Predigt nicht erreicht hatten: Die Überlebenden gehen in sich, der große Abfall in der Christenheit ist beendet und schlägt um in Wiederbekehrung“ (S. 123).

Die Vision von Fatima schildert demnach gar nicht so sehr den großen Abfall und die Krise der Kirche. Sie setzt diese vielmehr bereits voraus. Was sie eigentlich darlegt, das ist die große Bekehrung, die diesem Abfall folgt, hervorgerufen offenbar durch ein besonderes und wunderbares Eingreifen Gottes. Papst, Bischöfe und Ordensleute – und mit ihnen sicherlich auch Priester und Laien – bekehren sich zum Kreuz unseres Herrn Jesus Christus, zum heiligen Meßopfer, und sie treten die Nachfolge unseres Herrn an hinauf auf den Kalvarienberg, um sich mit ihm zu opfern, Buße zu tun für alle Sünden und Verfehlungen und den Samen zu streuen für eine Erneuerung der Kirche und der Welt aus dem Glauben, einen Samen, der nichts anderes sein kann als ihr eigenes Märtyrerblut, vereint mit dem Blut Christi im heiligen Meßopfer.  nach oben

Die Martyrerkirche

Ein schönes Bild für diese bekehrte Kirche, die bereit ist zum Martyrium, findet sich auch in der Apokalypse, und auch dort auf einem Berg: „Ich schaute, und siehe, das Lamm stand auf dem Berg Zion und mit ihm hundertvierundvierzigtausend, die seinen Namen tragen und den Namen seines Vaters, geschrieben auf ihren Stirnen. Und ich hörte eine Stimme aus dem Himmel wie das Rauschen vieler Wasser und wie das Rollen eines starken Donners, und die Stimme, die ich hörte, war wie von Harfenspielern, die ihre Harfen schlagen. Und sie sangen ein neues Lied vor dem Thron und vor den vier Wesen und den Ältesten, und niemand konnte das Lied erlernen als die hundertvierundvierzigtausend, die losgekauft sind von der Erde. Es sind jene, die sich mit Frauen nicht befleckt haben; denn jungfräulich sind sie. Sie folgen dem Lamm, wohin es geht. Sie wurden losgekauft aus den Menschen als Erstlinge für Gott und das Lamm. In ihrem Mund wurde keine Lüge gefunden; makellos sind sie vor dem Thron Gottes“ (Off 14,1-5).

Anhand dieser Schilderung können wir uns gut vorstellen, was für ein strahlendes Bild die Kirche nach ihrer Reinigung und Läuterung abgeben wird. Diese „144000“ sind keine „Taufscheinchristen“, die zwar den Namen unseres Herrn Jesus Christus und seines himmlischen Vaters bei Taufe und Firmung in ihre Seele eingeprägt erhalten haben, davon jedoch nichts merken lassen; sie sind echte Christen, die diesen Namen sichtbar, „geschrieben auf ihren Stirnen“ tragen. 144000 ist dabei die Zahl der Vollkommenheit (12x12x1000). Die Kirche wird also hier ihre höchste Vollkommenheit erreicht haben.

Lesen wir den Kommentar der Echter-Bibel: „Das Lamm (Christus) steht inmitten der Seinen auf dem Berge Sion, dem Tempelberg in Jerusalem. Das Bild schließt lokal und gedanklich an 11,1f an; das Heiligtum ist zwar ringsum von Feinden umstellt, in sein Inneres aber können sie nicht einbrechen, ‚die dort anbeten’ sind ihnen nicht erreichbar. Diese Festung hält stand, weil sie behütet wird von dem, über den der Drache keine Gewalt besitzt (12,5), der ihn bereits besiegt und geschlagen hat (12,10f). Die Symbolik des Sionsbergs ist die gleiche wie in 11,1f; er versinnbildet den heiligen Bezirk der Kirche der Endzeit; auf ihm sind die Gläubigen versammelt um ihren dort residierenden Messiaskönig...“ (S. 66).

Schick: „Mit einer Charakteristik der Auserwählten schließt die Schilderung; mittelbar liefert sie übrigens einen Maßstab, an dem jeder ablesen kann, ob er sich zu ihnen rechnen darf; eine schlichte, aber alles Wesentliche treffende Bestimmung, was und wie Christen sind. Sie müssen ganz und unbeirrbar auf der Seite Christi stehen; das erste, was in der bildlich gemeinten Erklärung von ihnen ausgesagt wird, ist ihre Jungfräulichkeit; in dieser Angabe klingen Worte Christi und des Apostels Paulus nach, die denen die Ehelosigkeit empfehlen, die ganz und ungeteilt für den Herrn und seine Sache verfügbar sein möchten (Mt 19,12; 1 Kor 7,32-34; 2 Kor 11,2). Sicherlich spielt auch die Gegenvorstellung mit hinein, die gleich im folgenden auftaucht (14,8); die Hörigkeit gegenüber dem Tier ist dort bildlich ausgedrückt als Buhlschaft mit Babylon, dem Sinnbild für die Hauptstadt des antichristlichen Reiches (vgl. 17,2; 18,3.9; 19,2). Ehebruch und Unzucht sind bei den Propheten Israels häufige Bilder für Abfall und Götzendienst (...). Die symbolische Deutung der Jungfräulichkeit verdient den Vorzug, weil in der Vision keine besondere Gruppe, sondern die Kirche als ganze in Erscheinung tritt. Später wird sie ebenfalls in ihrer Gesamtheit in einem sinnverwandten Bild vorgestellt als die jungfräuliche Braut des Lammes (19,7; 21,2.9; 22,17)“ (S. 156).

Und weiter: „Die Freiheit vollkommener Liebe bindet die Auserwählten an ihren Herrn; sie stehen zu ihm in unbedingtem Gehorsam und folgen ihm auf allen Wegen, die er sie führt. Ihre Bereitschaft schreckt vor nichts zurück; selbst wenn er sie den Weg führt, den er selbst als Mensch gegangen ist durch Verfolgung und Tod zur Verherrlichung, werden sie das Blutzeugnis nicht verweigern“ (ebd.).

Die erneuerte Kirche also wird „dem Lamm folgen“ hinauf nach Golgotha, um dort sein Schicksal zu teilen, um von denselben Mächten, die auch ihm den Tod bereiteten, getötet zu werden. Bezeichnenderweise sind es in der Fatima-Vision „Soldaten“, von denen die Märtyrer erschossen werden, ebenso wie unser Herr Jesus Christus von Soldaten gekreuzigt worden ist.

Gemäß der Fatima-Vision wird sowohl der Papst das Martyrium erleiden als auch Priester, Bischöfe und Ordensleute sowie Laien. Aus allen Ständen der Kirche also wird Blut fließen müssen, so wie auch alle Stände der Kirche vom Abfall betroffen gewesen sind.  nach oben

Triumph des Unbefleckten Herzens

  Ihr Martyrium wird freilich nicht umsonst sein. Ihr Blut wird fließen zur Bekehrung der Welt. „Am Ende aber wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren“, verheißt die Muttergottes in Fatima, „der Heilige Vater wird mir Rußland weihen, das sich bekehren wird, und der Welt wird eine Zeit des Friedens geschenkt werden.“ Von dieser „Zeit des Friedens“ weiß auch die Apokalypse zu berichten, denn sie spricht von einem „tausendjährigen Reich“, das dadurch gekennzeichnet wird, daß Satan in dieser Zeit gefesselt ist, während die Märtyrer und Bekenner aus der Zeit der Kirchenverfolgung zur Herrschaft gelangen (Off 20,1-6).

Dazu Schick: „Daraus läßt sich nun auch einiges folgern für den Zustand und die Verhältnisse der Kirche auf Erden während dieser Zeit, in der Satan keine Macht hat. Er kann sich in dieser Zeit weder dämonischer noch menschlicher Werkzeuge zum Kampf gegen das Volk Gottes bedienen (vgl. 19,20; 20,3). Auf die Epoche der Bekämpfung folgt für die Kirche eine Friedenszeit von außen und im Innern. Die Herrschaft Christi und seiner Heiligen, ihr Triumph im Himmel werden sich dann auch entsprechend auf der Erde widerspiegeln können in der Verfassung der menschlichen Gesellschaft als solcher wie ihrer einzelnen Gruppen.[1] Nachdem der Einfluß der dämonischen Mächte auf die Geschichte [weitestgehend! Anm.] unterbunden ist, kann die Lage, die dadurch auf Erden entstanden ist, im geistigen Sinn auch als eine Machtergreifung Christi und seiner Heiligen aufgefaßt werden; die Ausbreitung des Evangeliums unter den Menschen könnte frei ihren Lauf nehmen, und seine Auswirkung auf die menschliche Gesellschaft bliebe unbehindert. Allerdings ist mit der Entmachtung des Teufels [Luzifers; Anm.] das Böse nicht vollständig aus der Menschheit verbannt. Die andere Quelle des Bösen, das menschliche Herz, dessen ‚Trachten böse ist von Jugend auf’ (Gn 8,21), bleibt bestehen. Verkehrtheit und Sünde werden daher ebenso wie Unheil und Tod auch während dieser irdischen Friedenszeit der Kirche nicht aus der Welt verschwinden; die paradiesische Ursprünglichkeit ist der Erde damit noch nicht zurückgegeben“ (S. 214f). Das wird erst nach dem Ende der Welt der Fall sein. Doch davon spricht die Muttergottes in Fatima offensichtlich nicht, auch nicht im „Dritten Geheimnis“.  nach oben


Literatur

  • Wolfgang Trilling (Hrsg.): Die Apokalypse, erläutert von Eduard Schick, Düsseldorf 1988 (Bd. 23 der Reihe „Geistliche Schriftlesung“)
  • Karl Staab (Hrsg.): Die Heilige Schrift in deutscher Übersetzung (Echter-Bibel), Das Neue Testament, Würzburg 1952
  • Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testamentes mit dem Urtexte der Vulgata (Biblia Sacra), übersetzt und mit erklärenden Anmerkungen versehen von Augustin Arndt SJ, Regensburg-Rom 1914, Bd. III

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[1] Dennoch wird die Fesselung des Luzifer, wie sie die Apokalypse berichtet, nicht die vollständige Entmachtung der anderen Teufel bedeuten, da auch in diesem 1000jährigen Reich die Gesetze des Heils nicht fundamental verändert werden, wie gewisse falsche Millenaristen und Charismatiker meinen. Weiterhin wird der Kreuzweg Christi für die Christen den Weg zum Himmel bedeuten.


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